{"id":341,"date":"2019-06-09T14:41:12","date_gmt":"2019-06-09T14:41:12","guid":{"rendered":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?page_id=341"},"modified":"2019-06-09T14:46:12","modified_gmt":"2019-06-09T14:46:12","slug":"spanisches-kaleidoskop","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?page_id=341","title":{"rendered":"Spanisches Kaleidoskop"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Tagesnotizen Urbi et Orbi<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> <strong>ex Hispaniam<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>21.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Passagiere auf\nAu\u00dfenpositionen gebracht werden, also nicht direkt am Gate ins Flugzeug steigen\nk\u00f6nnen, ist &#8211; zumindest im \u00fcberf\u00fcllten Frankfurter Flughafen &#8211; nicht\nungew\u00f6hnlich. Dass sie aber, einmal ins Flugzeug gelangt, auf die \u201ezweite\nSchicht\u201c l\u00e4nger warten m\u00fcssen, weil \u201eFraport\u201c allem Anschein nach \u00fcber zu wenig\nBusse verf\u00fcgt, geh\u00f6rt dann doch eher in den Bereich des Au\u00dfergew\u00f6hnlichen,\ngerade f\u00fcr einen Flughafen, der sich so gern an der Weltspitze w\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Reich absoluter Kuriosit\u00e4ten\nentstammt es jedoch, dass die Maschine auch dann noch nicht abheben kann,\nnachdem bereits die sonore Ank\u00fcndigung \u201eBoarding completed\u201c an die Crew aus dem\nLautsprecher zu vernehmen war und die T\u00fcren geschlossen wurden und der Kapit\u00e4n\nals Grund daf\u00fcr mitteilen muss, der Zielflughafen sei geschlossen &#8211; und zwar\nwegen \u00dcbungen f\u00fcr eine Flugshow. Man traut seiner Wahrnehmung nicht &#8211;\nirgendwelche nicht gro\u00df gewordenen Jungs s\u00fcdl\u00e4ndischer Herkunft &#8211; es geht gen\nSevilla &#8211; d\u00fcrfen die zivile Luftfahrt zum Erliegen bringen, weil sie so gern\nohne Achterbahn Loopings drehen wollen! \u00c4hnliches habe ich zuletzt vor Jahren\nnur mal in Indien erlebt und als den dortigen Gegebenheiten &#8211; und nur den\ndortigen &#8211; noch entsprechend angesehen; damals standen wir eineinhalb Stunden\nauf dem Rollfeld; doch jetzt das, im ach so fortschrittlichen, zivilisierten\nEuropa! Erst nach mehr als einer Dreiviertelstunde zus\u00e4tzlicher Wartezeit heben\nwir endlich ab. Muss ich noch erw\u00e4hnen, dass der Flieger eine halbe Stunde \u00fcber\ndem Ziel kreisen muss, weil die Landebahn immer noch f\u00fcr den Firlefanz genutzt\nwurde? Der Kapit\u00e4n hatte daf\u00fcr vorsorglich schon in Frankfurt zugetankt, zum\nGl\u00fcck. Aber daf\u00fcr fliegt man ja mit der Lufthansa. Und das alles nur, weil\nKinder spielen wollen, auch wenn sie l\u00e4ngst erwachsen sind!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>22.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Zielflughafen endlich angekommen, wird\nmit aller Drastik verdeutlicht, dass man dem s\u00e4kularen Mitteleuropa Adieu\ngesagt hat. Man h\u00f6rt sie schon in der Halle f\u00fcr die Gep\u00e4ckausgabe, die holden\nGes\u00e4nge aus Frauenkehlen zur ebenso hold gezupften Gitarre. Es ist ja nur eine,\ndurch eine halbhoch gezogene Ladenzeile mit allesamt geschlossenen L\u00e4den\ngeteilte riesige Betonhalle, die die Flugg\u00e4ste nicht allzu gastlich erwartet.\nW\u00e4hrend auf der einen Seite die lange Zeit leer bleibenden Gep\u00e4ck-F\u00f6rderb\u00e4nder\nihre Runden drehen und von den Wartenden sehns\u00fcchtig be\u00e4ugt werden, ob nicht\ndoch endlich ein Koffer bef\u00f6rdert wird, t\u00f6nen von der anderen Lieder eindeutig\nklerikalen Inhalts, und zwar so pausenlos, dass man denken k\u00f6nnte, sie k\u00e4men\nvom Band. Ich verstehe sie selbstverst\u00e4ndlich nicht; aber die christliche\nHerkunft ist ohne Zweifel. <\/p>\n\n\n\n<p>Und tats\u00e4chlich: Kaum passiere ich den\nDurchgang in den anderen Teil der Halle, sehe ich sie &#8211; einige j\u00fcngere Frauen\nmit madonnenhaftem Haar, nat\u00fcrlich in Nonnenkost\u00fcme geh\u00fcllt, huldvoll-fr\u00f6hlich\nden Blick auf die Ankommenden gerichtet und ohn\u2019 Unterlass der Jungfrau Maria\noder anderen Heiligen huldigend. Das soll wohl eine zielgerichtete Begr\u00fc\u00dfung\nsein, die allerdings definitiv nicht mir gilt. Mir ging das Ges\u00e4usel inzwischen\ngeh\u00f6rig auf die Nerven, war ich ihm doch schon fast eine Stunde ausgesetzt\ngewesen. Andererseits: Habe ich jemals einen solch warmen Empfang an einem\nFlughafen erlebt? Es ist allerdings klar: Ich bin in Spanien. Wie sch\u00f6n, dass\nder Schalter der Autovermietung ganz am anderen Ende der Halle liegt und man\ndort den Gesang nur noch ahnen kann&#8230; und ganz unspanisch flugs kann ich mein\nAuto in Empfang nehmen und endlich geht es wirklich los mit dem spanischen\nVergn\u00fcgen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>23.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Zorn Gottes ob meiner l\u00e4sterlichen\nGedanken ereilt mich &#8211; das war in Spanien nicht anders zu erwarten &#8211; nur kurze\nZeit sp\u00e4ter. Wer die heilige Kirche und ihre Ausw\u00fcchse nicht ehrt, wird eben\neines Besseren belehrt! Nicht das Schicksal, sondern mein Wille wollte es, dass\nich, einer melancholischen Erinnerung an meine erste Fahrt von Sevilla an die\nK\u00fcste vor mehr als zwanzig Jahren folgend, die Autobahn zun\u00e4chst mied und auf\ndie auch seinerzeit schon autobahn\u00e4hnlich ausgebaute Nationalstra\u00dfe fuhr. Die\nersten zweihundert Meter gingen reibungslos; doch dann begann ein\nKreiselwirrwarr, das selbst erfahrene Franzosen in Angst und Schrecken versetzt\nh\u00e4tte. Beim vierten oder f\u00fcnften Kreisel nehme ich in Ermangelung von\nHinweisschildern die mich aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund\nanlockende Abzweigung, nur um kurz darauf feststellen zu m\u00fcssen, dass ich nicht\nmehr auf einer Nationalstra\u00dfe sein kann. Ich bin hoffnungslos verloren und\nstecke fest in den immer enger werdenden Stra\u00dfen von Dos Hermanas.<\/p>\n\n\n\n<p>Dos Hermanas! Sicher einer der\nSehnsuchtsorte in Spanien, diese Ansammlung gesichtsloser Hochh\u00e4user Marke\nPlattenbau im S\u00fcden des auch nur in der Innenstadt wundervollen Sevilla; aber\nda wollte ich gar nicht hin, sondern daran vorbeifahren. Jetzt bin ich\nstattdessen mittendrin. Das Schlimmste an diesem Vorort ist der\naugenscheinliche Verzicht auf jegliche Hilfsmittel zur sinnvollen Lenkung des\nStra\u00dfenverkehrs, zumal der ortsunkundigen Autofahrer, wie etwa mich. So ging\nmein inneres L\u00e4stern also in den s\u00e4kularen Bereich \u00fcber, bis ich feststellen\nmuss, dass es sehr wohl Schilder gibt, immer vor den Kreiseln, allerdings in\neiner Gr\u00f6\u00dfe, die selbst an deutschen Radwegen noch klein zu nennen w\u00e4re.\nImmerhin keimte in mir die Entdeckerfreude und nach und nach komme ich heraus\naus dem Labyrinth und bin gl\u00fccklich, dass die wiedergefundene Nationalstra\u00dfe\nendlich in die Autopista gen S\u00fcdwesten m\u00fcndet. Einfach so. Ohne Kreisel. &#8211; Als\naltmodischer Mensch habe ich auf die Ausstattung des gemieteten Fahrzeugs mit\neinem Navigationsger\u00e4t nat\u00fcrlich verzichtet, zumal ich in Deutschland eine\nwunderbare Stra\u00dfenkarte in ausreichendem Ma\u00dfstab erstanden hatte. So bin ich\neben schon immer Auto gefahren. Aber sowas bewahrt offenkundig nicht davor,\nirgendwo zu stranden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>24.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fc\u00dfig zu spekulieren, ob das Unheil\nabgewendet worden w\u00e4re, h\u00e4tte ich den heiligen S\u00e4ngerinnen nicht solch\nheidnische Gedanken entgegengebracht und mich stattdessen an dem gesungenen\nEmpfang erfreut &#8211; wann wurde ich denn jemals auf einem Flughafen solcherma\u00dfen\nbegr\u00fc\u00dft? Kindness and gratitude, das w\u00e4re auch eine M\u00f6glichkeit der Wahrnehmung\ngewesen&#8230; vermutlich hatten die gro\u00dfen Jungs mit ihren unn\u00f6tigen Flugspielen\nmeine Sensibilit\u00e4t in eine Richtung gesteuert, die derartigen Empfindungen\nkeinen Raum mehr gab. Oder vielleicht doch, w\u00e4ren es eben nicht\nGottesanbeterinnen, sondern einfach spanische S\u00e4ngerinnen gewesen. Aber es\nwaren doch Spanierinnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Dies alles geht mir durch den Kopf und\nnoch mehr, weil es nicht n\u00f6tig ist, auf den Verkehr zu achten, den es n\u00e4mlich\nauf dieser Autobahn nicht gibt, sodass das Gehirn sich eben etwas anderes\nsucht, um nicht besch\u00e4ftigungslos durch die Gegend gefahren zu werden. Das w\u00e4re\nja noch sch\u00f6ner! In Spanien ankommen und faulenzen! Ja, so sind die grauen\nZellen im menschlichen Hirn eben gestrickt; pausenlos muss gedacht werden. Man\nkann dem Denken allerdings, wenn man das durchschaut hat, eine andere Richtung\ngeben. Das tue ich nun und &#8211; genie\u00dfe einfach die herrlich weite Landschaft, von\nder Sonne bestrahlt, bl\u00fchende Mohnblumen und ja, auch schon vereinzelt\nSonnenblumen auf den Feldern neben der Stra\u00dfe, die Freude \u00fcber die K\u00fcste und\nden Ozean. Und ich erinnere mich an meine erste Fahrt hier, winke dem auf dem\nH\u00fcgel schon von fern gr\u00fc\u00dfenden Stier aus Blech innerlich zu &#8211; ein alter\nBekannter, stand er doch schon vor einundzwanzig Jahren an dieser Stelle &#8211; und\nertappe mich dabei, schon wieder zu denken&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>25.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ozean in all seiner Weite liegt\nendlich vor mir! Hier endet die K\u00fcstenlinie Europas; in der Ferne, unsichtbar,\nkann Unendlichkeit ertr\u00e4umt werden (wir alle wissen, dass da irgendwann leider\nnur Amerika oder, je nach Blickrichtung, Afrika auftaucht; letzteres sieht man\ngar von hier aus schon im Dunst). In der N\u00e4he d\u00fcmpeln jedoch viele Schiffe auf\ndem Meer, zwei gro\u00dfe, mehrere kleine, die wie Satelliten um die gro\u00dfen kreisen.\nAha. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Mai; der Thunfischfang ist in\nvollem Gang. Traditionell schon immer hier, an der Verbindung zwischen\nMittelmeer und Atlantik; zur Laichzeit treibt es die Raubfische in die Meerenge\nund das macht sich der Mensch zunutze. Allerdings trieb er es lange nicht so\nheftig wie in neuerer Zeit: Almadraba nennen die Spanier die herk\u00f6mmliche, fast\nhandwerkliche Art, den Thunfisch unter solidarischer Beteiligung aller Fischer\nder K\u00fcste mithilfe von kleinen Booten und Netzen zusammenzutreiben, bis die\nTiere nicht mehr entkommen k\u00f6nnen. Dennoch, ein blutiges Gemetzel. Allerdings\nwerden dabei nur ausgewachsene Tiere und schon gar keine Delfine gefangen; die\nmenschlichen Augen wachen sorgsam dar\u00fcber. Der Blick auf die Schiffe scheint\ndagegen von der heutigen Fangmethode zu k\u00fcnden &#8211; der das menschliche Auge (und\nnicht nur das) fehlt. Anstelle der heimischen Fischer, die ihren Fang jedoch\nauch schon seit l\u00e4ngerem vor allem ins Sushi-Land Japan exportierten, davon\naber wenigstens leben konnten, haben sich mittlerweile japanische\nJagdgesellschaften die Fangrechte selbst gesichert und beuten den Ozean\nhemmungslos aus. Angeblich leben noch ein paar Bewohner von Barbate oder Zahara\nde los Atunes von den Geldern, die ihnen die noch verbliebene Almadraba bringt.\nDer Gro\u00dfteil des Fangs geht jedoch zugunsten der Japaner, die auch sonst alles\ngleich an Bord ihrer Schiffsfabriken erledigen, sodass die toten Fische nie das\nspanische Festland erreicht haben, bevor sie, ausgenommen und filetiert, auf\nReis oder in Dosen landen. Halt; so ganz stimmt das nicht &#8211; in allen\nRestaurants hier in der Gegend gibt es Atun rojo, und der soll angeblich aus\nder Almadraba stammen&#8230; Der Blick auf die Schiffe zeigt jedoch, dass das der\nRubrik \u201eMarketing\u201c zuzuordnen zu sein d\u00fcrfte. Vermutlich m\u00fcssen die Spanier den\nWeg des Re-Imports nutzen, um vor der spanischen K\u00fcste gefangenen Thunfisch auf\ndie Teller zu kriegen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>26.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Auslagen der Fischst\u00e4nde in der\nMarkthalle von Barbate sind allerdings voll belegt mit Atun, in jeder denkbaren\nVariation, Filet, ganze St\u00fccke, Plato (damit meinen die Verk\u00e4ufer sowas wie\nThunfisch-Gulasch); und alles &#8211; nat\u00fcrlich Almadraba. Es klingt glaubhaft; das\nFleisch sieht komplett frisch aus, teilweise tropft noch das dunkelrote Blut\nherunter, wenn der Verk\u00e4ufer die Ware einer noch nicht entschlossenen Kundin\nanbietet und hochh\u00e4lt. Je nach St\u00fcck unterschiedliche Preise, und die sind\ngesalzen wie der Bacalhao in Portugal. Wenn die heimischen Fischer etwas davon\nhaben &#8211; bitte sch\u00f6n! Ich sehe davon ab, mich durch einen Kauf an der\nThunfisch-Hatz zu beteiligen. Thunfisch ist nicht gerade gesund, als Raubfisch\nist er kontaminiert mit Schwermetallen. Das ficht freilich die Einheimischen\nnicht an. An jedem Stand steht eine lange K\u00e4uferschlange.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen neben der Halle t\u00f6nt es in der\nFu\u00dfg\u00e4nger-Passage wie im Hauptbahnhof. Die spanische Sprache tendiert zur\nLautst\u00e4rke, und am Wochenende kaufen fast alle in der Markthalle ein und g\u00f6nnen\nsich davor oder danach einen Plausch beim Kaffee oder gleich etwas St\u00e4rkerem;\nJerez ist ja nicht weit, und warum soll der gute alte Fino immer nur in den\nF\u00e4ssern vor sich hinreifen? Mich zieht es in die Bar an der Ecke gegen\u00fcber.\nBesetzt von ausschlie\u00dflich reifem, \u00fcberwiegend weiblichem Publikum &#8211; neben dem\nich noch als Jungspund durchgehe &#8211; in \u00fcberaus schicker Garderobe, wie sie nicht\neinmal in Bad Kissingen anzutreffen ist, zum Teil noch die Reste des sp\u00e4ten\nFr\u00fchst\u00fccks auf den Tellern, eine \u00e4ltere schlanke Senora hinter der Theke, die\naufmerksam meine Bestellung entgegennimmt (nat\u00fcrlich Cortado; was sonst) &#8211; und\nmich sp\u00e4ter mit einem freundlich-jovialen \u201eAdios, Caballero!\u201c auf die Stra\u00dfe\nentl\u00e4sst. \u00c4hm&#8230; Wo hatte ich nur mein Pferd angebunden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>27.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So langsam kl\u00e4rt sich Manches. Zum\nBeispiel, dass man nicht notwendig mit einem Pferd unterwegs sein muss, um\n\u201eCaballero\u201c genannt zu werden. Die Dame kannte noch die alte H\u00f6flichkeit und\ngab ihr Ausdruck! Oder meinte sie das blo\u00df ironisch? &#8211; Und gestern Abend sah\nich insgesamt neun etwa jeweils gleich gro\u00dfe Schiffe vor der K\u00fcste liegen,\nziemlich weit drau\u00dfen, im Aussehen wie Frachtschiffe. Auf Nachfrage erfuhr ich\nheute, dass es sich tats\u00e4chlich um solche handelte. Sie ankern leer und warten\nauf den n\u00e4chsten Auftrag, der sie entweder nach Cadiz oder nach Huelva f\u00fchren\nkann. Und auf See vor Anker zu liegen sei eben billiger als im Hafen. Das ist\ndie moderne Seefahrt. Ahoi!<\/p>\n\n\n\n<p>Also hatte ich neulich doch nicht die\nber\u00fcchtigten japanischen Hochseefabriken entdeckt. Die Almadraba findet trotzdem\nnicht mehr wie fr\u00fcher statt. Einige Kilometer weiter s\u00fcdlich, sogar noch vor\nTarifa, und n\u00e4her an der K\u00fcste als die ankernden Frachtschiffe, doch stets\nbegleitet von den japanischen Fabrikschiffen, auf denen der Fang sogleich\nverarbeitet und teilweise frisch mit anderen Booten zum Flieger gen Heimat,\nteilweise tiefgefrostet an Bord gelagert und in Eisform nach Japan gebracht\nwird. Ein paar Brosamen fallen f\u00fcr die thunfischn\u00e4rrischen Spanier dann auch\nnoch ab; das erkl\u00e4rt die vollen Marktst\u00e4nde in Barbate und die allerorten\nanzutreffenden Speisekarten. &#8211; Ich lie\u00df mir dagegen heute mein mediterranes\nZucchini-Auberginen-Gem\u00fcse (con ajo!) an Pilz-Tofu-Pfanne schmecken &#8211; einziges\nZugest\u00e4ndnis an die See waren die Sardinas ahumados als Beilage. Man braucht ja\njede Menge Omega3-Fetts\u00e4uren. Und nat\u00fcrlich ohne Wein!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>27.5.2019 (2)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens jetzt muss der geneigte\nLeser zu der zutreffenden Einsicht kommen, dass der Autor dieser Zeilen nicht\nnormal is(s)t. In kulinarischer Hinsicht ist diese Spanien-Reise auf jeden Fall\nalles andere als spanisch. Damit Ihnen das nicht spanisch vorkommt: Auf Anraten\nmeines Arztes ern\u00e4hre ich mich &#8211; rein aus medizinischen Gr\u00fcnden &#8211; seit Ostern\nf\u00fcr zun\u00e4chst drei Monate ketogen. Also keine oder nur ganz wenig Kohlenhydrate,\ndaf\u00fcr umso mehr Fett. Das bringt es mit sich, dass ich alles, was mich fr\u00fcher\nin Spanien an Essen und Trinken so erfreut hat, getrost vergessen kann. Statt\nTostados mit K\u00e4se oder Tomaten, gar Marmelade gibt es morgens nur das\nselbstgemachte fette Ket\u00fcsli mit Samen und N\u00fcssen, fettem Rahmjoghurt,\nMascarpone, Sahne oder Kokos\u00f6l (3 Essl\u00f6ffel!), verfeinert mit ein wenig\nBeerenobst; mittags und abends darf es alles aus Salat und Gem\u00fcse sein, aber um\nHimmels Willen keine patatas, kein arroz, keine pasta! Und auch nix mit den\ns\u00fc\u00dfen Postres oder den geliebten Leckereien aus der Pasticceria &#8211; solo un\ncortado! Da ich mich nun auch noch seit Jahren weitgehend vegetarisch ern\u00e4hre,\ndarf &#8211; obwohl sehr ketogen &#8211; auch Jamon oder ein Steak nicht mehr auf dem\nSpeiseplan stehen. Zum Gl\u00fcck aber Fisch; sonst h\u00e4tte ich ein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit jedoch nicht genug.\nGesundheitsbewusst essen hei\u00dft essen zu halbwegs vern\u00fcnftigen &#8211; also\ntendenziell mitteleurop\u00e4ischen &#8211; Zeiten mit einer langen Pause &#8211; das bedeutet\nv\u00f6llige Abstinenz! &#8211; vom fr\u00fchen Abend bis in den Vormittag. Selbst die kleinste\nOlive oder ein St\u00fcck K\u00e4se sind in dieser Zeit untersagt, von Wein oder anderem\nalkoholischen Gebr\u00e4u ganz zu schweigen. Wer einmal in Spanien war, wei\u00df, wie\ndas mit den dortigen Gepflogenheiten kollidiert. Wenn ich zu Mittag esse, haben\ndie Einheimischen gerade ihr zweites oder ihr sp\u00e4tes Fr\u00fchst\u00fcck hinter sich\ngebracht und mein Abendessen beginnt zu einer Zeit, zu der sich der Spanier und\ndie Spanierin gern mal einen Sherry g\u00f6nnen, aber beileibe noch nicht an das\ngro\u00dfe Dinner denken. Manche sitzen ja tats\u00e4chlich noch beim Nachtisch ihrer\ncena, wenn ich sp\u00e4tnachmittags vom Strand komme&#8230; Aus meiner Erfahrung in\nValencia vor zwei Monaten &#8211; und seinerzeit ern\u00e4hrte ich mich \u201enur\u201c\ngesundheitsbewusst vegetarisch &#8211; habe ich aber gelernt: Die M\u00f6glichkeit zur\nSelbstverpflegung ist unter diesen Vorzeichen ein absolutes Muss!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>28.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von Zahara de los Atunes (klar, hier\nwurde traditionell schon immer Thunfisch gefangen!) nahm ich 1998 erstmals\nKenntnis, als Endpunkt einer Reise diagonal durch Spanien. Wir fuhren auf\u2019s\nGeradewohl. Von Cordoba kommend, suchten wir an der K\u00fcste nach einer Bleibe f\u00fcr\nmehr als nur ein paar Tage, besichtigten Conil, dessen enge Gassen damals\nkomplett mit dem Auto durchfahren werden konnten, fanden dort nicht, was wir\nsuchten, und fuhren dann auf der Nationalstra\u00dfe weiter, bis wir an einen\nAbzweig Richtung Zahara stie\u00dfen; ein Blick auf die Stra\u00dfenkarte und zugleich\nauf die Uhr lie\u00dfen es ratsam erscheinen, dort unser Gl\u00fcck zu versuchen. Wir\nlandeten in einem marode anmutenden Fischerort, dem man nur allzu deutlich\nansah, dass es mit der Fischerei schon mal besser lief. Es war Oktober, einige\nwenige Touristen schlenderten an der einzigen, mit wenigen kleinen Hotels\nges\u00e4umten Stichstra\u00dfe zum Meer hin, und wir fanden, gerade zum Einbruch der\nD\u00e4mmerung, an einer \u00f6den Stelle schon au\u00dferhalb des Orts eine unauff\u00e4llige\nAnsammlung von drei Bungalows direkt am Strand, von denen wir einen, nach telefonischer\nKontaktaufnahme (noch mit traditionellem M\u00fcnztelefon!) und kurzen Verhandlungen\nin spanisch-franz\u00f6sischem Radebrechen von einem Spanier mittleren Alters\nmieteten. An diesem Abend a\u00df ich das erste Thunfisch-Steak meines Lebens, und\nwir blieben drei Wochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bungalows liegen immer noch genau\nso, wie ich sie kennengelernt habe, direkt am riesigen, weiten, herrlichen\nStrand, als w\u00e4ren nicht einundzwanzig Jahre vergangen. Um sie herum ist\nallerdings fast kein Stein auf dem anderen geblieben. Die leere Steppe, die\nsich seinerzeit als L\u00fccke zwischen Zahara und Atlanterra, einer damals aus ganz\nwenigen noblen Villen bestehenden Satelliten-Urbanizacion, erstreckte, ist mit\nden Segnungen der spanischen K\u00fcsten-Verbaukunst gef\u00fcllt und Atlanterra um mehrere\nDimensionen ausgedehnt worden. Nicht ganz so schlimm wie weiter dr\u00fcben, an der\nCosta del Sol, aber eben zugebaut. Und es stehen schon neue Kr\u00e4ne an weiteren\nArealen, die erschlossen werden. Zahara selbst hat seine touristische\nInfrastruktur erweitert mit der logischen Folge, dass jetzt \u00fcberall Touristen\nherumlaufen; ganze Stra\u00dfenz\u00fcge mit Bars und Restaurants, Sitzgelegenheit an\nSitzgelegenheit, sch\u00f6n immer im Viererpack, harren &#8211; am Vormittag &#8211; der\nBesucher. Ein wenig f\u00fchle ich mich an Sachsenhausen erinnert&#8230; nein, so\nschlimm oder wie auch in Conil ist es nun doch nicht. Aber: die Stichstra\u00dfe zum\nMeer ist fein gestaltet worden, die H\u00e4user sind herausgeputzt, und auf der\nanderen Seite des Ortes, auf der ein Fluss beschaulich in den Atlantik m\u00fcndet,\ngibt es sogar eine neue Uferpromenade neben den Stellpl\u00e4tzen f\u00fcr die\nWohnmobile. Wenn auf diese Weise die Existenz der fr\u00fcher durchgehend als\nFischer t\u00e4tig gewesenen Einwohner gesichert ist&#8230; angesichts dieser\nVielgestaltigkeit lautet das Res\u00fcmee: Es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>29.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>V\u00f6llig unver\u00e4ndert, zumindest dem\nAnschein nach, schlagen hingegen nach wie vor die Wellen des hier besonders\nunendlich wirkenden Atlantiks an den malerischen Strand bei Canos de Meca.\nGlitzernd spiegeln sie das grelle Sonnenlicht in der Nachmittagshitze, t\u00fcrmen\nsich auf, wodurch das spiegelnde Glitzern in Breite und H\u00f6he an Intensit\u00e4t\ngewinnt, bis die Welle am H\u00f6hepunkt bricht und das Licht sich in wei\u00dfe,\nsprudelnde Gischt verwandelt, die auf dem tosenden Wasser tanzt, ermuntert, ja\nangefeuert durch die unter ihr ins Meer zur\u00fcckstr\u00f6mende Flut, so lange, bis die\nSchaumperlen langsam im Boden versanden. Stundenlang schaue ich diesem\nNaturschauspiel stumm und immer wieder ergriffen zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Strand von Canos war es, der uns\nseinerzeit bis zum Ende des Urlaubs hier bleiben lie\u00df. Jeden Tag fuhren wir\nr\u00fcber von Zahara, weil es dort nicht diese wunderbare Steilk\u00fcste mit ihren\nkleineren und gr\u00f6\u00dferen Buchten gibt, in denen der Mensch sich der Welt entr\u00fcckt\nf\u00fchlen kann. Einsamkeit, Wildheit, Naturgewalt &#8211; alles kann hier mit jedem\nSchritt und in jedem Moment erfahren werden. Riesige Brocken, die in Sturm und\nRegen von den Klippen heruntergebrochen sind, werden unten von der rauhen See\nweiter zerkl\u00fcftet und zugleich sanft geschliffen; sie liegen hier im Sand,\nteils schon im Wasser, als h\u00e4tten Riesen sie dort hingeworfen. Manche suchen\nzwischen ihnen Ruhe und Entspannung, die allein schon dadurch&nbsp; gew\u00e4hrleistet ist, dass dieser Teil des\nStrandes nur bei Ebbe erreicht werden kann und bei Flut der R\u00fcckweg &#8211; und\nnat\u00fcrlich ebenso der Hinweg &#8211; verschlossen ist. Und im weichen Gestein finden\nsich zuweilen kleine H\u00f6hlen oder G\u00e4nge, die in die Klippen hineinf\u00fchren.\nAbenteuerlich. Der Name des Strands leitet sich von den vielen\nS\u00fc\u00dfwasser-Rinnsalen ab, die wegen der parallelen Gesteins-Schichtung an vielen\nStellen den Klippenw\u00e4nden entspringen und an und in denen unterschiedlichste\nPflanzen wachsen. Jede Sekunde gibt es Neues zu entdecken, und \u00fcber allem liegt\ndie Ewigkeit der Natur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>30.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das kann man normalerweise auch vom Ort\nCanos de Meca selbst sagen. Au\u00dfer im Hochsommer &#8211; dann soll nicht nur die\neinzige Stra\u00dfe regelrecht verstopft sein, sondern in gleicher Weise der\nwundersch\u00f6ne Strand, an dem die Menschen Handtuch an Handtuch liegen sollen;\n\u00fcbrigens einer der saubersten Str\u00e4nde, die ich je gesehen habe. Doch heute\nmorgen dr\u00e4ute l\u00e4rmendes Unheil. Auf der &#8211; illegal in den Naturpark\nhineingefr\u00e4sten, aber wir sind in Spanien, noch genauer, in Andalusien; da ist\nes nicht so wichtig, ob legal, illegal oder schei\u00dfegal &#8211; also auf der vor\neinigen Jahren illegal planierten Piste, die den Verkehr um den Ort herum\nwieder herausleiten soll, n\u00e4herten sich zun\u00e4chst ein Lastwagen, ein Kipper, der\nalle paar Meter einen Haufen Lehm hinterlie\u00df, und wenig sp\u00e4ter ein\nsauriergleiches Unget\u00fcm Marke \u201eChampion\u201c, welches, so lie\u00df sich dem Schriftzug\nan der Seite entnehmen, f\u00fcr \u201eNivelaciones\u201c zust\u00e4ndig ist und dementsprechend\ndie Lehmhaufen auf der Stra\u00dfe nivellierte; eine Planierraupe der fr\u00fchen\nJahre&#8230; Es schloss sich ein von einem Bau-Traktor gezogener G\u00fcllewagen an, der\nallerdings reines Wasser auf den Weg entleerte, und dann kam doch, die Erde\nbebte schon lange, bevor sie in Sichtweite kam, tats\u00e4chlich noch eine\nDampfwalze und walzte das alles einfach platt! Die Fahrzeuge lie\u00dfen sich an den\nStellen, an denen sie zu tun hatten, weidlich Zeit, aber das war wohl auch\nnotwendig; nur verursachten sie dabei einen derartigen H\u00f6llenkrach, dass die\nUrlaubsstimmung etwas getr\u00fcbt wurde, zumal die Arbeiten den ganzen Tag \u00fcber andauerten.\nEin Strandbesuch h\u00e4tte nahegelegen, erwies sich aber angesichts des\nherrschenden Sturmwinds aus Ost als wenig ratsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das alles nur, weil diese illegale\nPiste in den Naturpark gebaut wurde! Die ist allerdings wohl genau der\nIllegalit\u00e4t wegen nicht asphaltiert, vielleicht, um nicht &#8211; wegen der sonst\nbewirkten Bodenversiegelung &#8211; noch mehr Gr\u00fcnde zur Klage zu liefern, die hier\nallerdings vermutlich eh keinen Zweck h\u00e4tte; wen k\u00fcmmert\u2018s schon. Und als ich\nmich bei der Ankunft verfuhr und deswegen einmal um den Ort herumfahren musste,\nhabe ich die vielen Schlagl\u00f6cher k\u00f6rperlich kennengelernt, die diese Piste\npr\u00e4gen. So dienten die heutigen Arbeiten dem Zweck, Achsen und Reifen der\nBlechkarossen der in K\u00fcrze, nach Saisonbeginn zu Pfingsten hier einfallenden\nBesuchermassen nach M\u00f6glichkeit zu schonen &#8211; denn wer aus dem Ort herauswill,\nmuss \u00fcber die Piste, sonst f\u00e4hrt er illegal gegen die Richtung der\nEinbahnstra\u00dfe. Und wir wollen doch bitte sch\u00f6n immer im Rahmen der Legalit\u00e4t\nbleiben und die Verkehrsregeln beachten! Ich halte mich allerdings nicht daran;\ndas Auto ist schlie\u00dflich nur gemietet&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>31.5.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Begriff \u201eLevante\u201c assozierte ich\nimmer mit etwas S\u00fcdl\u00e4ndischem, Geheimnisvollen, Tr\u00e4umerischen. Von diesen\nAssoziationen liegt nur die erste nahe an der Wirklichkeit, wie ich nunmehr am\neigenen Leib erfahren muss. Es bl\u00e4st seit zwei Tagen und noch weiter f\u00fcr eine\nprognostizierte Dauer von drei zus\u00e4tzlichen Tagen ein heftiger Wind aus Ost,\nder das Meer zum Sch\u00e4umen und alle fliegenden Insekten &#8211; so scheint es &#8211; in\neine Art Vorruhestand bringt; die l\u00e4stigen Kleintiere sind jedenfalls &#8211; Ameisen\nselbstverst\u00e4ndlich ausgenommen &#8211; nicht mehr zu sehen. Was man als\nMitteleurop\u00e4er nicht kennt: Es gibt keine Pause. Der Wind bl\u00e4st dauerhaft und\ngleichf\u00f6rmig, weitgehend mit derselben St\u00e4rke, die im Tagesverlauf leicht, aber\nstetig zunimmt und die einen an bestimmten Stellen von den Beinen zu fegen in\nder Lage w\u00e4re, hielte man nicht mit aller Kraft dagegen. Und des Nachts \u00e4ndert\nsich auch nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Levante hat seinen Namen von der\nK\u00fcstenregion, der er entspringt. Von der Sierra Nevada als Fallwind kommend und\nim S\u00fcden durch das Atlasgebirge begrenzt, nimmt er \u00fcber dem Mittelmeer\nsozusagen Fahrt auf und bl\u00e4st sich, dort Orkanst\u00e4rke erreichend, durch die\nMeerenge von Gibraltar in Richtung des offenen Atlantiks. Wer jetzt am Strand\nliegen m\u00f6chte, braucht eine gesch\u00fctzte Felsnische, wie sie die Buchten am\nStrand von Canos de Meca gl\u00fccklicherweise bieten. Man muss nur rechtzeitig da\nsein. In die brausende Gischt der von S\u00fcdosten anrollenden und im Wirbel nach\nNordwest abflie\u00dfenden Wellen wagen sich nur Todesmutige, zumal der K\u00fcste\nscharfkantige Felsen und Riffe vorgelagert sind, auf die einen die tosende See\nwerfen k\u00f6nnte. Doch mit den F\u00fc\u00dfen kann man es schon wagen, bis die Oberschenkel\nvom Wasser umflossen werden und bei ablaufender Flut die F\u00fc\u00dfe in den weichen\nBoden hineingesp\u00fclt werden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>1.6.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und ausgerechnet an einem der\nLevante-Tage steht der Sinn nach einem Abstecher nach Tarifa! Na ja, man will\nsich ja nicht jeden Tag am Strand permanent mit Sand beblasen lassen. Tarifa\nliegt am einen Ende der Stra\u00dfe von Gibraltar, und genau da kommt der Wind wie\naus einem Trichter &#8211; oder sollte ich das treffender \u201eD\u00fcse\u201c nennen? &#8211; heraus auf\nden weiten Atlantik. Gerade dem Auto entstiegen, direkt am Hafen, weil nur dort\nein freies Pl\u00e4tzchen zu finden war, hat es nur zehn Meter weiter den Anschein,\ndie Fahrt sei umsonst gewesen, da dem \u00dcberqueren der Stra\u00dfe &#8211; an einer\nKreuzung, in die eine Zufahrt vom Hafen m\u00fcndet und die nach Osten hin offen\nliegt &#8211; der Turbo des Sturms mit einer vermuteten Windst\u00e4rke der Stufe zwanzig\nentgegen steht! In so einer B\u00f6 hatte ich mich noch nicht befunden, und es\nfehlte nicht viel, dass sie mich von den Beinen geholt h\u00e4tte. Doch es war eben\nnicht nur eine B\u00f6, es war der Levante! Fast h\u00e4tte diese Naturgewalt mir den\nFriseur auf ewig erspart, doch auch die Haarwurzeln boten alle Kraft auf und\nretteten ihre Forts\u00e4tze. Selbst in der Altstadt, in die wir es dann doch noch\nschafften, bl\u00e4st es um jede Ecke.<\/p>\n\n\n\n<p>Tarifa selbst ist inzwischen ebenfalls\nsehr f\u00fcr die Besucher herausgeputzt, obwohl hier auch mehrere Zehntausend\nEinheimische leben. Nichts mehr zu sehen von den Kifferkneipen und den Hippies,\ndie ich 1998 dort antraf und die der Altstadt ein lebendiges, alternatives\nFlair verschafften. \u00dcberall die gleichen kleinen L\u00e4den mit auf Touristen\nzielendem, letztlich nutzlosem Sortiment, ab und zu ein Schuhgesch\u00e4ft und\nimmerhin einige Konditoreien; aber auch da kaufen mehrheitlich Touristen. Das\nwahre Leben findet au\u00dferhalb der Mauern der Altstadt statt, ist aber eher nicht\nso pittoresk. Da stehen dann auch die immer gleichen, wenig erbaulichen,\nphantasielosen Geb\u00e4ude mit engen G\u00e4ngen und kleinen R\u00e4umen, auch von au\u00dfen\nnicht sch\u00f6n anzusehen. Und in den Au\u00dfenregionen wird kr\u00e4ftig gebaut, die Stadt\nw\u00e4chst. Nat\u00fcrlich &#8211; weiter n\u00f6rdlich schlie\u00dft sich ein Surferparadies an, Tarifa\nist hip!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>2.6.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Canos war mal hip, im treffendsten\nWortsinn, n\u00e4mlich unter den Hippies und Alternativen der siebziger, achtziger,\nneunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Sie \u00fcbernachteten zum Teil in H\u00f6hlen\nund Grotten am Strand, andere zogen sich auf dem Aussichtsplateau einen rein\nund dinierten daselbst auch im Campermobil, das sie vor dem Schrotth\u00e4ndler\nbewahrt hatten. Gegen\u00fcber waren die strohgedeckten Bungalows Los Castillejos,\netwas heruntergekommen, aber sehr belebt und beliebt. Hunde tollten den ganzen\nTag \u00fcberall herum und M\u00fctter s\u00e4ugten im Camper ihre Kleinen, w\u00e4hrend die M\u00e4nner\n&#8211; nat\u00fcrlich mit Rasta-Locken &#8211; schon die ersten cervezas konsumierten. Neben\nden Alternativen gab es andererseits schon immer die ganz Reichen, denen die\nVillen geh\u00f6rten, die auf den Klippen liegen und von denen man einen unglaublichen\nBlick aufs Meer haben muss und die auch heute noch meist von Mauern umgeben\nsind und fast das ganze Jahr \u00fcber leer stehen, wenn nicht die Eigent\u00fcmer mal\nLust auf Meer versp\u00fcren oder an G\u00e4ste vermietet haben. Insgesamt &#8211; easy going;\nkeep cool, man&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Nur die Reichen k\u00f6nnen es sich auch\nleisten, das kleine Ensemble an Villen und H\u00e4usern um weitere Exemplare dieser\nGattung zu erg\u00e4nzen. So sind im Lauf der Jahre ganze drei einzelne H\u00e4user\nhinzugekommen (und auf einem gr\u00f6\u00dferen Grundst\u00fcck zwei Reihen Reihenh\u00e4user, als\u201c\nUrbanizacion\u201c), allesamt im neuen, geradlinig-modernen sachlich-n\u00fcchternen\nBaustil, und allesamt erst, nachdem die Eigent\u00fcmer jahrzehntelang nach dem\nGrunderwerb mit dem Bauen gewartet hatten, denn hier gibt es keine\nBaugenehmigungen, aber wenn man dann nach 30 Jahren doch etwas hinbaut, ist das\nzwar illegal, aber wer macht schon was dagegen&#8230; Genauso illegal \u00fcbrigens wie\ndie Zufahrtsstra\u00dfe von Barbate, die mitten durch den Pinienwald auf den Klippen\nf\u00fchrt; wie gesagt &#8211; Parque Natural, aber irgendwann hat man eine Schneise\ngeschlagen, eine Piste planiert und schlie\u00dflich diese asphaltiert. Ich kenne\ndie Gegend nur mit Stra\u00dfe, aber wenn ich mir vorstelle, wie unber\u00fchrt sie\ngewesen sein muss, als der Wald noch vollst\u00e4ndig war, werde ich melancholisch.\nDer Mensch mache sich die Erde untertan, steht angeblich in der Bibel. Warum\nhat eigentlich noch kein Staat dieses Propaganda-Machwerk verboten?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>3.6.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nun, es ist ja nicht so, dass die Bibel\netwas propagiert und der Mensch dem blind folgt (es wirkt freilich so, gerade\nin Spanien, wo immer noch schmerzvoll die Heilige Dreifaltigkeit verehrt wird,\nvor allem aber die Heilige Jungfrau). Vielmehr ist der Mensch in seinem Wesen,\nwie die Bibel ihn einfach nur beschreibt, und mit diesen Wesensz\u00fcgen muss die\nErde fertigwerden oder untergehen. Mir fiel es heute mal wieder an mir selbst\nauf: Aus der Yucca-Palme im Garten, in deren gesch\u00fctztem oberen Zentrum sich\nein Vogelnest befindet, strebte heute fr\u00fch ein Jungvogel der Welt entgegen, um\nsie f\u00fcr sich zu entdecken und zu erobern. Gerade kam noch letztmals die Mutter\nans Nest, um zu f\u00fcttern, da sa\u00df er schon drau\u00dfen an der Blattspitze und erhob\nsich pl\u00f6tzlich heftig flatternd in die Luft, nur um sich kurz darauf drei, vier\nEtagen tiefer an der Spitze eines dortigen Blatts gerade noch auffangen zu\nk\u00f6nnen &#8211; denn fliegen muss er noch flei\u00dfig \u00fcben, der Kleine! Doch kurz zuvor\nhatte ich gesehen, wie im vorderen Teil des Gartens eine Katze herumschlich.\nUnd da ich wei\u00df, was das f\u00fcr den armen Jungvogel bedeuten k\u00f6nnte &#8211; er sa\u00df\nmittlerweile auf dem Boden im Buschwerk -, wurde ich unruhig und empfand den\nImpuls, irgendetwas zu tun, um den armen kleinen Vogel vor der b\u00f6sen Katze zu\nretten. <\/p>\n\n\n\n<p>Und da sind sie, die menschlichen\nEigenschaften, Empfindungen, Instinkte, die, gibt man ihnen nach, vor allem\neins bewirken: sie lassen der Natur nicht ihren Lauf. Auch gut gemeinte\nEingriffe k\u00f6nnen Schlechtes bewirken, und hier w\u00e4ren sie zwar nichts mit\nschlechten Folgen gewesen, aber im besten Fall hilflos &#8211; und eben nur ein\nAusdruck, dass es einen heftigen menschlichen Grundimpuls gibt, die Welt nach\nmenschlichem Denken einzurichten, in dem Glauben, der Mensch wisse schon, was\nam besten sei. Seit Millionen von Jahren aber br\u00fcten die V\u00f6gel ihre Jungen aus,\nfliegen diese tapsig-hilflos und unvollkommen aus dem Nest und werden, wenn sie\nsich nicht sputen, ordentlich fliegen zu lernen, von Katzen oder Schlangen\ngefressen. Und dennoch gibt es immer noch jede Menge V\u00f6gel, ohne dass der\nMensch ihnen Schutz bieten m\u00fcsste. Daf\u00fcr sorgen sie allein, oder eben auch\nnicht. Das ist Natur. Und wenn es immer weniger V\u00f6gel werden, auch hier an der\nspanischen K\u00fcste im Parque Natural, dann liegt es nicht an der Natur, sondern\nan den Eingriffen der Menschen, die diese sich anma\u00dfen realisieren zu d\u00fcrfen. &#8211;\nEingedenk dieser Gedanken setzte ich, zugegeben schweren Herzens, meinen Impuls\nnicht in die Tat um, und siehe da, am Abend entdeckte ich den Kleinen, wie er\nim Garten herumh\u00fcpfte, in der Blumenschale nach Wasser pickte &#8211; und kurz darauf\nschnell wieder davonflog!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>4.6.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Natur lehrt mich dieser Tage, wie\nschnell und unkompliziert es manchmal gehen kann, einfach so. Als ich in meinem\nDomizil eintraf und zum ersten Mal meine morgendlichen Pranayama-\u00dcbungen\npraktizierte, auf der Terrasse mit wunderbarem Blick ins Gr\u00fcne und \u00fcbers Meer,\nerblickte ich diesen Vogel, einen Gr\u00fcnling oder etwas \u00c4hnliches, wie er alle\npaar Minuten mit B\u00fcscheln im Schnabel in die Yucca-Palme im Garten flog, kurz\ndarauf wieder mit leerem Schnabel herauskam, wieder startete und das Ganze\nstetig wiederholte. Also baute er sich ein Nest, und dies durchaus zwei, drei\nTage lang. Dann wurde es ruhiger, und wenig sp\u00e4ter flog er wieder ein und aus,\nkam diesmal aber wohl jedes Mal mit Futter im Schnabel zur\u00fcck und wurde jeweils\nfreudig von innen begr\u00fc\u00dft &#8211; das Zirpsen setzte immer schon ein, wenn der Vogel\nsich auf dem Blatt der Yucca niederlie\u00df, und endete erst nach seinem erneuten\nAbflug. Und so ging es den ganzen Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kam es eben nach nur wenigen\nTagen zu dem Moment, als der Jungvogel das Nest verlie\u00df, an die \u00e4u\u00dferste Spitze\ndes Blatts h\u00fcpfte und den ersten Flugversuch startete. Danach war es ruhig im\nNest; es muss also der letzte der Brut gewesen sein. Das Zirpsen ging dann noch\nbis heute im Untergrund weiter, im stacheligen Geb\u00fcsch unter der Yucca, in dem\nder Jungvogel wohl hinreichend gesch\u00fctzt sich aufhalten konnte. Tags\u00fcber h\u00fcpfte\ner allerdings auch schon durch den Garten, und zum Gl\u00fcck &#8211; keine Katze in\nSicht! F\u00fcr den ganzen Vorgang ben\u00f6tigte die Natur keine zwei Wochen, und wahrscheinlich\nmuss es auch so schnell gehen, um den V\u00f6geln ein \u00dcberleben zu sichern. Am\nbeeindruckendsten war der Moment, in dem der Kleine Abschied nahm: er sprang\neinfach mutig hinunter, ins Ungewisse; die Mama sah dem zu, schaute etwas\nverdutzt, wunderte sich wohl, was geschah (das denken wir Menschen); dann, nach\neinem kurzen Warten, flog sie wieder davon und es schien, als h\u00e4tte es die\ntagelange F\u00fcrsorge f\u00fcr den Nachwuchs nicht gegeben. Wenn man bedenkt, welch ein\nGed\u00f6ns die Menschheit um den gleichen Prozess der Abl\u00f6sung des Nachwuchses vom\nElternhaus macht&#8230; da hat es ein Vogel doch viel leichter!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>5.6.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Ende ist nah, vermutlich dieser\nErde, wenn die Menschheit nicht endlich ein Einsehen hat, auf jeden Fall aber\nmeiner Urlaubstage und damit auch des Spanischen Kaleidoskops. Am letzten\nFerientag ergreift mich regelm\u00e4\u00dfig Melancholie, zumindest, wenn mir der\nAufenthalt gefallen hat &#8211; dann m\u00f6chte ich gar nicht wieder heim. Obwohl diesmal\nnicht ein \u00dcbergang vom warmen Sonnenschein in die K\u00e4lte oder Dunkelheit droht,\ndie in Deutschland im Winter herrscht, bef\u00e4llt mich dennoch wieder die\nTraurigkeit dar\u00fcber, dass die sch\u00f6nen Tage in der Sonne &#8211; die hier permanent\nvom Firmament herunterleuchtete, wenn es nicht gerade Nacht war &#8211; nun vorbei\nsind und der Alltag von Neuem beginnt. Es f\u00fchlt sich an, als ginge etwas\nunwiederbringlich verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Urlaubs-Gepflogenheiten werden ein\nletztes Mal zelebriert; fast schon wie ein Ritual. Der letzte Cortado am\nVormittag, der letzte Strandgang, das letzte, aber ausgedehnte Bewundern der\newig an die K\u00fcste brandenden Wellen und abends ein Abschiedsbesuch bei der\nGastgeberin; ein Gespr\u00e4ch mit Zur\u00fcckbleibenden&#8230; und dann die letzte, unruhige\nNacht, bevor es am n\u00e4chsten Morgen in der Fr\u00fch losgeht, Richtung Flughafen, unterwegs\nFr\u00fchst\u00fcck (und doch noch mal ein Cortado), Auto-Mietstation, Check-In,\nSicherheitsschleuse, Warten am Gate, ewig langes Boarding&#8230;Ist das Reisen?\nOder nicht doch nur zweckm\u00e4\u00dfiges Fortbewegen? N\u00e4chstes Mal nehme ich dann doch\nwieder das eigene Auto!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>6.6.2019<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nein, schlimm ist sie nicht, die\nHeimfahrt. Alles klappt wie am Schn\u00fcrchen, der Flieger ist sogar p\u00fcnktlich; das\nPersonal von der Gangway winkt zum Abschied freundlich her\u00fcber; keine Flugshow\nund kein Gewitter in Frankfurt, sodass die Leitung den Flughafen nicht\ndichtmachen musste&#8230; Freilich ein Ankommen wie das Abfliegen &#8211; wieder kein\nGate, sondern eine Au\u00dfenposition; wolkenverhangener Himmel, aus dem sich sogar\nTropfen l\u00f6sen; die Temperatur unter zwanzig Grad; nein, so m\u00f6chte ich nicht\nempfangen werden, wenn ich aus spanischer Sonne heimkomme!<\/p>\n\n\n\n<p>Und allein die Fahrt vom Flughafen nach\nHause setzt mich einer derartigen Menge L\u00e4rm aus, wie ich sie &#8211; selbst im\ntrubeligen Barbate, im windumtosten Tarifa oder in den Touristenmassen in Cadiz\n&#8211; in den vergangenen Wochen nicht ann\u00e4hernd erleben musste. Am liebsten m\u00f6chte\nich geradewegs umkehren. Als dann die U-Bahn ratternd \u00fcber schlecht\nverschwei\u00dfte Schienenkreuzungen rumpelt und mich mit meinen heute etwas\nl\u00e4dierten Bandscheiben unsanft durchr\u00fcttelt, ist es unumst\u00f6\u00dflich klar. Ich bin\nwieder in Frankfurt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagesnotizen Urbi et Orbi &#8211; ex Hispaniam 21.5.2019 Dass die Passagiere auf Au\u00dfenpositionen gebracht werden, also nicht direkt am Gate ins Flugzeug steigen k\u00f6nnen, ist &#8211; zumindest im \u00fcberf\u00fcllten Frankfurter Flughafen &#8211; nicht ungew\u00f6hnlich. Dass sie aber, einmal ins Flugzeug gelangt, auf die \u201ezweite Schicht\u201c l\u00e4nger warten m\u00fcssen, weil \u201eFraport\u201c allem Anschein nach \u00fcber zu wenig Busse verf\u00fcgt, geh\u00f6rt dann doch eher in den Bereich des Au\u00dfergew\u00f6hnlichen, gerade f\u00fcr einen Flughafen, der sich so gern an der Weltspitze w\u00e4hnt. 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