{"id":227,"date":"2019-02-27T19:05:00","date_gmt":"2019-02-27T19:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=227"},"modified":"2019-02-27T19:11:38","modified_gmt":"2019-02-27T19:11:38","slug":"27-2-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=227","title":{"rendered":"27.2.2019"},"content":{"rendered":"\n<p>Nicht ganz so verwunderlich wie die breite Verankerung der n\u00e4rrischen Umtriebe in der modernen Welt (siehe Kaleidoskop vom 24.2.) erscheint die nahezu in Stein gemei\u00dfelte hohe Bedeutung, die der Kunstform &#8222;Oper&#8220; f\u00fcr das kulturelle Leben in unseren Tagen immer noch zukommt. Dem fast \u00fcberall &#8211; mit Ausnahmen &#8211; praktizierten permanenten Aufkochen eines Eintopfs immer derselben Werke mit ihren zumeist antiquierten, l\u00e4ngst \u00fcberholten und angesichts der heutigen Verh\u00e4ltnisse zuweilen l\u00e4cherlichen Themen sowie einer teils jahrhundertealten Musik liegt aber wohl die Sehnsucht nach einer &#8211; gewiss idealisierten &#8211; &#8222;sch\u00f6nen Kunst&#8220; und dem sinnlichen Erlebnis zugrunde, das die im Idealfall gelungene Harmonie von Musik, Gesang und Darstellung in grandioser Weise bieten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann, aber nicht muss. Zum grandiosen Gesamtkunstwerk geh\u00f6rt eben mehr als die Versammlung herausragender Stimmen und guter Musiker. Zeichnete sich die Frankfurter Oper in den &#8211; leider lange zur\u00fcckliegenden &#8211; Jahren unter Gielen und Zehelein insoweit gerade wegen provokant-tiefgr\u00fcndiger Inszenierungen als Schrittmacher einer den modernen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen ad\u00e4quaten Auff\u00fchrungspraxis aus, konnte sie in den Folgejahren &#8211; und bis heute &#8211; daran immer wieder nur sporadisch und auf einzelne Auff\u00fchrungen beschr\u00e4nkt ankn\u00fcpfen. Es gibt sie, diese H\u00f6hepunkte; aber sie verstecken sich in einem zugegeben extrem mannigfaltigen Gesamtprogramm, in dem sich keine &#8222;Handschrift&#8220; wiederfindet au\u00dfer derjenigen, musikalische Darbietungen auf \u00e4u\u00dferst hohem Niveau zu bieten. Das ist beachtlich, und doch entt\u00e4uscht gerade im Hinblick darauf die teilweise groteske Nachl\u00e4ssigkeit, mit der die Personen beauftragt werden, die das Ganze in Szene setzen sollen. Ergebnis dessen sind einerseits Perlen wie etwa Verdis &#8222;Stiffelio&#8220;,  vor ein paar Jahren meisterhaft inszeniert von einem hierzulande unbekannten Australier, oder Brittens &#8222;Billy Budd&#8220;, andererseits aber auch grandiose Fehlleistungen wie die &#8222;Trojaner&#8220; oder zuletzt &#8222;I Puritani&#8220;, bei denen hilflose Regisseure mit dem Sujet der Werke und den in Frankfurt gegebenen technischen und intellektuellen M\u00f6glichkeiten rein gar nichts anzufangen wussten. Wenn nunmehr f\u00fcr die &#8222;Macht des Schicksals&#8220; der Rassismus als &#8211; in der Inszenierung dann auch noch am Beispiel der USA bebildertes &#8211; Kernthema in den Vordergrund ger\u00fcckt wird, bleibt dies letztlich genauso banal wie seinerzeit die Betonung der Bedeutung der weiblichen Hauptfiguren als Ergebnis der gedanklichen Durchdringung des Werks durch die Regisseurin der &#8222;Trojaner&#8220;: Das sind Aspekte, die in den Werken angelegt sind; aber sie allein tragen die inhaltliche Botschaft nicht. Die innere Zerrissenheit der Handelnden, ihre Gef\u00fchlskonflikte, verursacht durch den angenommenen Zwang, gesellschaftlichen Konventionen gen\u00fcgen zu m\u00fcssen &#8211; das sind viel umfassendere und zugleich mehr in die Innenwelt zielende Konflikte, die durch die Fokussierung auf ein eher im Au\u00dfen bleibendes &#8222;Hauptthema&#8220; verengt und durch eine plakative Bebilderung eben nur illustriert, aber nicht k\u00fcnstlerisch durchdrungen werden. Kommt hinzu, dass die Abarbeitung der Rassismus-Thematik am Beispiel der USA mittlerweile ein alter Hut ist. Da g\u00e4be es andere aktuelle und viel provokantere Beispiele. Die Faszination eines Gesamtkunstwerks kann so &#8211; jedenfalls f\u00fcr mich &#8211; nur in wenigen Szenen aufkommen, und im zweiten Teil nimmt sich unwillk\u00fcrlich der G\u00e4hnreflex seinen Raum.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht ganz so verwunderlich wie die breite Verankerung der n\u00e4rrischen Umtriebe in der modernen Welt (siehe Kaleidoskop vom 24.2.) erscheint die nahezu in Stein gemei\u00dfelte hohe Bedeutung, die der Kunstform &#8222;Oper&#8220; f\u00fcr das kulturelle Leben in unseren Tagen immer noch zukommt. 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