{"id":306,"date":"2019-04-28T15:20:30","date_gmt":"2019-04-28T15:20:30","guid":{"rendered":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=306"},"modified":"2019-04-29T14:27:32","modified_gmt":"2019-04-29T14:27:32","slug":"27-4-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=306","title":{"rendered":"27.4.2019"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich kann mich des Gef\u00fchls nicht erwehren, dass Opern doch eine irgendwie aus der Zeit gefallene Kunstform sind. Krude, oft nicht realistische, geschweige denn auf der B\u00fchne einigerma\u00dfen sinnvoll darstellbare Handlungen; extreme Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation (wer singt im normalen Leben seinen Frust raus, und dann auch noch im hohen C??), noch dazu in extremer vokaler Beanspruchung &#8211; um nicht zu sagen: Wahnsinnsarien mit der Tendenz zur Hysterie und zum Pathos&#8230; w\u00e4re da nicht die Orchestermusik, die das Ganze zumeist dann doch auf eine Weise zusammenbringt und umhegt, die vers\u00f6hnlich stimmt &#8211; es g\u00e4be wenig vern\u00fcnftige Gr\u00fcnde, sich ausgerechnet dem Musiktheater auszusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer dieser Gr\u00fcnde war seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Aufkommen des Regietheaters, das im gelungenen Fall werkgetreu neue Darstellungs- und damit auch neue Sichtweisen erm\u00f6glichte, ohne wie die Auff\u00fchrungspraxis zuvor der Langeweile oder dem Kitsch anheimzufallen. Dieses Konzept ist mittlerweile in die Jahre gekommen und man versucht den heutigen Sehweisen im Wege der Puzzle-Technik gerecht zu werden; Eklektizismus &#8211; weniger Abstraktion, manchmal etwas viel Ramschware auf der B\u00fchne, nicht zu unrealistisch, und es darf auch mal rei\u00dferisch oder komisch werden; nur nicht allzuviel von demselben. Doch zu radikal &#8211; wie manche Regiearbeit fr\u00fcherer Jahre, sei es nun die &#8222;Aida&#8220; von Neuenfels in Frankfurt, &#8222;Die Gezeichneten&#8220; von Kusej in Stuttgart oder dann wieder &#8222;Macbeth&#8220; von Boeito in Frankfurt &#8211; darf es heute nicht mehr sein. Weil sonst das tendenziell &#8222;anst\u00e4ndige&#8220; Publikum vergr\u00e4tzt w\u00fcrde? Ein immer wieder gern genutztes Element der Verharmlosung, selbst in ausgezeichneten, geradezu sph\u00e4risch wirkenden Inszenierungen wie aktuell derjenigen von Schrekers &#8222;Der ferne Klang&#8220; im hiesigen Opernhaus, ist die geradezu r\u00fchrend peinliche, jedenfalls harmlose und verniedlichende Bebilderung menschlichen Elends in &#8211; pardon &#8211; Bordellbetrieben: Da kommen die &#8222;Dirnen&#8220; (so das Libretto) wie weiland Violetta Val\u00e9ry im Glitzergewand daher und pr\u00e4sentieren sich die m\u00e4nnlichen K\u00e4ufer der Liebe (tats\u00e4chlich?) als anst\u00e4ndig und adelsgerecht gekleidete Playboys. Dem Libretto mag das entsprechen, lokalisiert es das Geschehen insoweit doch auf einer Insel der Wollust im venezianischen Raum; aber zu einer Inszenierung, die ansonsten die Handlung in eine Zeit nahe an der Gegenwart transponiert und szenenweise in ein Alten- und Pflegeheim verfrachtet &#8211; und dabei Dichte und bet\u00f6rende Atmosph\u00e4re schafft -, will das doch nicht so recht passen. Hier w\u00fcnschte ich mir etwas mehr Geradlinigkeit, Mut zur Drastik, Konsequenz, Radikalit\u00e4t. Es ist noch gar nicht so lange her, dass all dies die Inszenierungen in Frankfurt auszeichnete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich kann mich des Gef\u00fchls nicht erwehren, dass Opern doch eine irgendwie aus der Zeit gefallene Kunstform sind. 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