{"id":661,"date":"2022-04-30T09:15:47","date_gmt":"2022-04-30T09:15:47","guid":{"rendered":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=661"},"modified":"2022-04-30T09:15:47","modified_gmt":"2022-04-30T09:15:47","slug":"30-4-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=661","title":{"rendered":"30.4.2022"},"content":{"rendered":"\n<p>In aller Ruhe und Beschaulichkeit unter freiem Himmel auf Gartenst\u00fchlen in der Geborgenheit einer Hecke Kaffee zu trinken, ein Croissant zu genie\u00dfen und dabei dem Konzert der V\u00f6gel zu lauschen, ohne von Verkehrsl\u00e4rm aufgeschreckt zu werden &#8211; man kann sich kaum vorstellen, dass so etwas in der Stadt m\u00f6glich ist. So traute ich kaum meiner Wahrnehmung, aber am n\u00f6rdlichen Rand von Bornheim, kurz hinter dem Verkehrsgebraus um die Seckbacher Landstra\u00dfe &#8211; und, von der anderen Seite betrachtet, \u00f6stlich des L\u00e4rms der Friedberger Landstra\u00dfe, schon au\u00dferhalb des Alleenrings &#8211; ist dieses Idyll zu finden. Nahe dem sogenannten Wasserpark liegen sie, die Gartenanlagen, die seit einigen Jahren Gegenstand heftigen Streits der Kommunalpolitiker sind, die dort Wohnungen bauen wollen, w\u00e4hrend andere die Natur nicht zerst\u00f6ren m\u00f6chten, und daneben eben eine G\u00e4rtnerei, in deren R\u00e4umlichkeiten sich das Caf\u00e9 befindet, das mir den erw\u00e4hnten Genuss bietet. <\/p>\n\n\n\n<p>Zielkonflikte sind auch in der Kommunalpolitik unvermeidlich. In der Regel werden sie durch demokratisch legitimierte Entscheidungen gel\u00f6st. Auch eine demokratische Legitimation reicht aber nicht, wenn das seelische Wohlbefinden betroffen ist. Am eigenen Leib habe ich hier sp\u00fcren k\u00f6nnen, worum es denjenigen geht, die sich gegen die Verwirklichung der Baupl\u00e4ne mit aller Entschiedenheit wehren. Bei einem Gang durch diese wilde, urige, wundersch\u00f6ne Gartenlandschaft bl\u00fcht die Seele auf, und da st\u00f6rt es nicht im geringsten, dass die kleinen Paradiese durch Z\u00e4une abgeschirmt sind und man als Passant nur auf einem schmalen Weg gehen und sich all das nur von au\u00dfen anschauen kann. G\u00e4rten, wie sie fr\u00fcher waren; Raum f\u00fcr Lebendigkeit und Natur, ohne die Akkuratesse und weitgehende Langweiligkeit der \u00fcblich gewordenen Schreberg\u00e4rten, in denen mehr Trampoline stehen als Kirschen oder Gurken wachsen. Unweigerlich beschw\u00f6ren diese gr\u00fcnen Oasen die Erinnerung an meine ersten Erlebnisse in &#8222;unserem&#8220; Garten herauf, der seit langem in die Piste einer vierspurigen Bundesstra\u00dfe umgewandelt worden ist. Demokratisch legitimiert, versteht sich. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen Wohnungen gebaut werden. Aber m\u00fcssen daf\u00fcr immer wieder Refugien geopfert werden, die f\u00fcr das menschliche Seelenleben wichtiger sind als ein Haufen von Wohnanlagen, m\u00f6gen sie noch so modern und gro\u00dfz\u00fcgig angelegt werden? Beim politischen Abw\u00e4gen f\u00e4llt diese Dimension bislang regelm\u00e4\u00dfig aus dem Raster. Es wird Zeit, dass alle f\u00fcr das menschliche Leben wichtigen Faktoren in den Abw\u00e4gungsprozess einbezogen werden &#8211; die Beschr\u00e4nkung auf Rationalit\u00e4t wird der Vielfalt der menschlichen Existenz nicht gerecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In aller Ruhe und Beschaulichkeit unter freiem Himmel auf Gartenst\u00fchlen in der Geborgenheit einer Hecke Kaffee zu trinken, ein Croissant zu genie\u00dfen und dabei dem Konzert der V\u00f6gel zu lauschen, ohne von Verkehrsl\u00e4rm aufgeschreckt zu werden &#8211; man kann sich kaum vorstellen, dass so etwas in der Stadt m\u00f6glich ist. 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