{"id":766,"date":"2026-01-31T10:36:54","date_gmt":"2026-01-31T10:36:54","guid":{"rendered":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=766"},"modified":"2026-01-31T10:36:54","modified_gmt":"2026-01-31T10:36:54","slug":"information-oder-empoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=766","title":{"rendered":"Information oder Emp\u00f6rung?"},"content":{"rendered":"\n<p>Dass heutzutage weniger die seri\u00f6se Nachricht denn emotionstreibende Emp\u00f6rung im Vordergrund nicht nur der Berichterstattung in den Medien, sondern auch der politischen Debatten steht, wird aktuell in drastischer Weise deutlich am Beispiel der Informationen \u00fcber das Schicksal der sogenannten Wallauer Spange, die an die \u00d6ffentlichkeit gelangen. Damit ist ein Investitionsvorhaben der Deutschen Bahn gemeint, durch dessen Verwirklichung die Landeshaupstadt Wiesbaden besser an die Schnellbahnstrecke Frankfurt &#8211; K\u00f6ln angebunden werden soll. Alle sind sich einig, dass es sich hierbei um ein wichtiges Infrastrukturvorhaben handelt; es wurden dementsprechend bereits Planungen gestartet und alles wartete auf die anstehende Freigabe der n\u00f6tigen finanziellen Mittel durch den Bund, bis vor kurzem &#8211; und damit fing das Informationsdebakel an &#8211; der fr\u00fchere Landesminister Al-Wazir (Die Gr\u00fcnen) und Mitglieder der Bundestagsfraktion der Gr\u00fcnen eine parlamentarische Anfrage hierzu starteten und dabei die &#8211; so von ihnen der \u00d6ffentlichkeit berichteten &#8211; Auskunft erhielten, das Projekt sei aus der Finanzierungsliste gestrichen; Ende Gel\u00e4nde. Die Folge war Emp\u00f6rung, die nach kurzer Zeit sogar aus dem B\u00fcro des Wiesbadener Oberb\u00fcrgermeisters (SPD) weithin zu vernehmen war. An der Tonlage \u00e4nderte sich auch nichts, nachdem die Protagonisten ein Telefongespr\u00e4ch mit dem zust\u00e4ndigen Staatssekret\u00e4r im Bundesverkehrsministerium gef\u00fchrt hatten, wor\u00fcber heute in der Presse berichtet wird &#8211; obwohl sich in diesem Gespr\u00e4ch die Sachlage ganz anders dargestellt haben muss: Die weitere Planung f\u00fcr das Projekt musste nur aufgeschoben werden, da das f\u00fcr die Planung und Genehmigung zust\u00e4ndige Eisenbahnbundesamt die Unvollst\u00e4ndigkeit der von der DB InfraGo vorgelegten Planungsunterlagen feststellte und diese notwendigerweise zur\u00fcckgeben und um Aktualisierung bzw. Vervollst\u00e4ndigung bitten musste. Solange keine vollst\u00e4ndigen Unterlagen vorliegen, kann nicht sinnvoll geplant und schon gar nicht genehmigt werden, und erst nach der Genehmigung steht die Frage nach der Finanzierung an. Der Staatssekret\u00e4r soll auch mitgeteilt haben, dass sich an der Einsch\u00e4tzung des Bundes \u00fcber die Notwendigkeit des Vorhabens \u00fcberhaupt nichts ge\u00e4ndert haben soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Muss der katastrophale Zustand der aktuellen Informations- und Debattenkultur in Deutschland noch weiter beschrieben werden? Parlamentarier, die eine Anfrage stellen, sind augenscheinlich nicht in der Lage, die Angaben des Ministeriums in der Antwort sachgerecht zu verstehen; sie bem\u00fchen sich auch nicht um Aufkl\u00e4rung etwaiger Unklarheiten oder Zweifel, sondern gehen sofort an die \u00d6ffentlichkeit &#8211; Emp\u00f6rung (wenn auch letztlich nicht begr\u00fcndete) verkauft sich halt immer gut. Emp\u00f6rung ist also wichtiger als sachliche Information? Der Oberb\u00fcrgermeister mischt sich dann auch noch ein, augenscheinlich aber schon vor dem kl\u00e4renden Gespr\u00e4ch mit dem Staatssekret\u00e4r. Will er sich wom\u00f6glich nicht den Vorwurf gefallen lassen, die Gr\u00fcnen n\u00e4hmen ihm die Butter vom Brot? Eine Kl\u00e4rung der Sachlage w\u00e4re da hilfreich und vor allem vorrangig gewesen. Doch selbst die Presse berichtet offenkundig ohne eigene Recherchen \u00fcber den Fall &#8211; und sogar der Berichterstattung der so seri\u00f6sen FAZ k\u00f6nnen zun\u00e4chst die wesentlichen Fakten nicht hinreichend verst\u00e4ndlich entnommen werden, bis einige Tage sp\u00e4ter die Aufkl\u00e4rung dortselbst erfolgt. Unter diesen Umst\u00e4nden muss sich keiner wundern, wenn Diskussionen nicht mehr sachlich gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen und niemand mehr irgendwas glaubt, au\u00dfer an Verschw\u00f6rungstheorien&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass heutzutage weniger die seri\u00f6se Nachricht denn emotionstreibende Emp\u00f6rung im Vordergrund nicht nur der Berichterstattung in den Medien, sondern auch der politischen Debatten steht, wird aktuell in drastischer Weise deutlich am Beispiel der Informationen \u00fcber das Schicksal der sogenannten Wallauer Spange, die an die \u00d6ffentlichkeit gelangen. Damit ist ein Investitionsvorhaben der Deutschen Bahn gemeint, durch dessen Verwirklichung die Landeshaupstadt Wiesbaden besser an die Schnellbahnstrecke Frankfurt &#8211; K\u00f6ln angebunden werden soll. 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