{"id":786,"date":"2026-03-12T16:31:59","date_gmt":"2026-03-12T16:31:59","guid":{"rendered":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=786"},"modified":"2026-03-12T16:37:07","modified_gmt":"2026-03-12T16:37:07","slug":"ein-provisorium-fuer-die-ewigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/frankfurter-kaleidoskop.de\/?p=786","title":{"rendered":"Ein Provisorium f\u00fcr die Ewigkeit&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>In zwei Jahren j\u00e4hrt sie sich zum f\u00fcnfzigsten (50.) Mal, die Er\u00f6ffnung der heute Ginnheim (Mitte) genannten Kombinationshaltestelle von U- und Stra\u00dfenbahn im Frankfurter Nordwesten, und man darf getrost davon ausgehen, dass noch ein paar Jahrzehnte dazukommen werden, bis hier grundlegende Ver\u00e4nderungen ins Werk gesetzt werden. F\u00fcnfzig Jahre Pendlerqual &#8211; die Station und insbesondere die von ihr ausgehende Strecke der Linie 16 d\u00fcrfen mit Fug und Recht als der absolute Tiefpunkt des ohnehin nicht grandiosen Angebots des \u00f6ffentlichen Personennahverkehrs in Frankfurt angesehen werden: Wer von Norden kommend in Richtung Bockenheim weiterfahren m\u00f6chte, verzweifelt schon regelm\u00e4\u00dfig bei der Einfahrt der U-Bahn in die Station und erliegt fast der Versuchung, die Bahnen anschieben zu wollen, da diese seit dem vergangenen Jahr in einem Tempo von weniger als Schrittgeschwindigkeit die Strecke von 100 m bis zum Poller zur\u00fccklegen &#8211; weil vordem einmal eine Bahn da drankrachte. Ja, in Deutschland und vor allem bei der VGF ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste, und so m\u00fcssen jetzt alle Bahnen im Kriechtempo versuchen, das Auffahren auf den Poller zu vermeiden (was immerhin in den 47 Jahren zuvor bei normaler Fahrgeschwindigkeit ausnahmslos gelang). Wenn sich dann gn\u00e4digerweise die T\u00fcren \u00f6ffnen (was auch schon mal etwas dauern kann), sind von der Linie 16, die zuvor noch brav am anderen Bahnsteig auf Passagiere wartete, regelm\u00e4\u00dfig nur noch die R\u00fccklichter zu sehen &#8211; sie musste ohne die zu ihr hechelnden Fahrg\u00e4ste losfahren, um das sehr knapp bemessene Signal zur Ausfahrt auf die Stra\u00dfe nicht zu verpassen, das selbst dann noch minutenlang auf sich warten l\u00e4sst, wenn es durch den vom Fahrer selbst am Ampelgeh\u00e4use zu bet\u00e4tigenden Schlie\u00dfmechanismus ausgel\u00f6st wurde (doch, wir befinden uns in der technischen Neuzeit, nicht im Mittelalter!). Verst\u00e4ndlich, dass der Fahrer oder neuerdings zunehmend auch die Fahrerin da nicht mehr auf Fahrg\u00e4ste warten kann, zumal die Bahn in der Regel sowieso erheblich versp\u00e4tet ist. Weil sie, von Offenbach\/Stadtgrenze kommend, durch das ganze Stadtgebiet mit unz\u00e4hligen Kreuzungen und Engstellen tuckern muss, an denen der Autoverkehr regelm\u00e4\u00dfig Vorfahrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich hatte das ganze Elend nur vor\u00fcbergehend sein sollen. Die Verl\u00e4ngerung der U-Bahn zur Bockenheimer Warte und weiter zum Hauptbahnhof waren bereits baureif geplant, die Finanzierung war sichergestellt; die Strecke vom Nordwestzentrum zum Bahnhof h\u00e4tte nach Fertigstellung der Linie in wenig mehr als zehn Minuten zur\u00fcckgelegt werden k\u00f6nnen &#8211; das w\u00e4re sehr attraktiv gewesen. Doch dann kam eine Kommunalwahl (wehe! Es droht der 15. M\u00e4rz!) und die CDU (mit der allseits weit \u00fcbersch\u00e4tzten Frau Roth an der Spitze) ging mit den Gr\u00fcnen eine Koalition ein, deren Zustandekommen von den Gr\u00fcnen mit dem Junktim verkn\u00fcpft wurde, die U-Bahn-Strecke nicht zu bauen, verkehrlicher Nutzen hin oder her, egal. Basta. Seitdem, also in zwischenzeitlich etwa 20 Jahren, geschah nichts. &#8222;Verkehrswende&#8220; bedeutete seinerzeit Abkehr von der b\u00f6sen U-Bahn, aber ohne Ersatz. Die Leidtragenden waren und sind bis heute alle Menschen, die auf diese Verkehrsverbindung angewiesen sind. Sie stehen Tag f\u00fcr Tag mit kaum verst\u00e4ndlicher Geduld an den verrotteten, selbstverst\u00e4ndlich nicht mit Informationssystemen ausgestatteten und schon gar nicht barrierefreien Bahnsteigen l\u00e4ngs der Strecke, warten auf die regelm\u00e4\u00dfig zu sp\u00e4t (wenn \u00fcberhaupt) kommenden Stra\u00dfenbahnen und verpassen ebenso regelm\u00e4\u00dfig den planm\u00e4\u00dfigen Anschluss an die U-Bahn. Alles wirkt, als existierte diese Strecke f\u00fcr die VGF und die f\u00fcr Verkehr verantwortlichen Stadtpolitiker (auch hier wieder in vorderster Reihe die GR\u00dcNEN) \u00fcberhaupt nicht. Bis zur Verwirklichung der neuerdings angestellten Planung f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung der U-Bahn-Linie in ein paar Jahrzehnten vielleicht auch mal zu \u00fcberlegen, wie man der t\u00e4glichen Not auf der alten Strecke ein Ende bereiten k\u00f6nnte &#8211; das f\u00e4llt den Verantwortlichen nicht im Traum ein. Na ja, sie fahren dort ja auch nicht t\u00e4glich mit der Stra\u00dfenbahn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In zwei Jahren j\u00e4hrt sie sich zum f\u00fcnfzigsten (50.) Mal, die Er\u00f6ffnung der heute Ginnheim (Mitte) genannten Kombinationshaltestelle von U- und Stra\u00dfenbahn im Frankfurter Nordwesten, und man darf getrost davon ausgehen, dass noch ein paar Jahrzehnte dazukommen werden, bis hier grundlegende Ver\u00e4nderungen ins Werk gesetzt werden. 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