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Autor: admin

19.6.2019

19.6.2019

Im Sommer entfaltet die Stadt ein eigenes Flair, jedenfalls an schönen warmen Abenden. Mein Weg führte mich von der City zurück; ich radelte nicht wie sonst an den Verkehrsachsen entlang, sondern durch das Nordend. Und überall Plätze, auf denen Menschen es sich gutgehen ließen.

Schon am Anlagenring ging es los – ein als Weinbar umgenutztes ehemaliges Wasserhäuschen lädt auf Polstermöbeln im Freien zum Chillen ein. Weiter nördlich kann man an die Friedberger Landstraße fahren, wo ebenfalls rund um ein Wasserhäuschen der Bär tobt, oder mehr Richtung Oeder Weg, der an der Adlerflychtstraße wieder in ein begrüntes Areal mündet, an dem ebenfalls – ein Wasserhäuschen steht. Nur dass es hier Falafel gibt, den besten in Hessen, wie ein Kundiger beim Warten mitteilte. Ja, warten muss man hier; erst in einer langen Schlange, bis man bestellen, bezahlen und einen Kronkorken mit einer Nummer bekommen kann, und dann noch einmal, bis – nach dem Aufruf der Nummer – das Bestellte ausgehändigt wird. Erfahrene nehmen dazu schon mal ne Pulle in die Hand; könnte ja länger dauern. Man sitzt auf der Mauer, tratscht über dies und jenes und genießt den Sommer und das gute Essen. Ja, es sind wirklich hervorragende Falafel… An Abenden wie diesen bedauere ich, so weit draußen zu wohnen, denn ob man’s glaubt oder nicht – ruhig wie auf dem Dorfe ist es mitten in der City eben auch, zumindest da, wo es keinen Durchgangsverkehr gibt.

18.6.2019

18.6.2019

Manchmal überholt einen die Zeit. Die Dinge entwickeln sich weiter und verändern sich, und wenn man sich nicht beeilt, ist es womöglich zu spät, einen Gedanken niederzuschreiben, weil er die Realität nicht mehr trifft.

So geschah es von gestern auf heute. Beim Radeln im Niddapark war es einige Tage ein Lotteriespiel, ob der direkte Weg von Bockenheim nach Norden in den Park sich als frei erwies oder ob man den Umweg über den Ginnheimer Friedhof nehmen musste. Denn die Bauarbeiten an der Bahnstrecke hatten nun auch die Bockenheimer Bahn-Unterführung erfasst – die Durchfahrt war durch rot-weiße Absperrungen unmöglich gemacht worden, Hinweisschilder verwiesen die Radfahrer auf den Weg Richtung Ginnheim. Anstatt freilich den Umweg zu nehmen, hatten findige Spitzbuben einfach einen Teil der Absperrungen samt Verbotsschildern beiseitegeschoben und so einen schmalen Durchfahrtspalt geschaffen, den man nutzen konnte – wenn keine Bauarbeiten im Gange waren. Praktisch war das allerdings immer der Fall – an diesem Abschnitt ward schon seit längerem kein Bauarbeiter mehr gesichtet -, sodass die Frage aufkam, was die DB – oder wer auch immer – mit der offenkundig voreiligen, jedenfalls aber unnötigen Vollsperrung bezweckte. Und meine Gedankenspiele kreisten, jedesmal wenn ich dieser Schildbürger-Situation ansichtig wurde, um genau diese Frage und führten zu Phantastereien über diese fast schon gezielte Anleitung zum Regelbruch. Doch bevor ich meine Gedanken – wie beabsichtigt – heute hier vollumfänglich offenbaren konnte, nahmen die Verantwortlichen ihnen die Grundlage: Die Durchfahrt ist wieder offen; die Absperrungen stehen zwar noch bereit, sind aber deutlich zusammengeschoben, auf einer Seite gar auf die Wiese gelegt, die Schilder, augenscheinlich von dazu berechtigter Stelle, außer Kraft gesetzt worden. Da zeigt sie sich dann doch einmal wieder, die normative Kraft des Faktischen… oder wurde hier nur das Nachdenken nachgeholt?

14.6.2019

14.6.2019

In der Leipziger Straße herrscht regster Verkehr. Ich frage mich immer, wo diese ganzen Autos eigentlich hinwollen, die da von der Bockenheimer Warte einbiegen, in die überaus enge, von alten Häusern gesäumte Straße, die eigentlich schon längst ausschließlich für den Fußgängerverkehr hätte gewidmet werden müssen. Heute sind aber auch noch unzählige Radfahrer unterwegs, gefühlt doppelt so viele als sonst, und wie! Ich gehöre ja zu ihnen, aber heute wäre ich fast abgestiegen und hätte mich aufs Schieben verlegt, so chaotisch kamen sie aus allen Richtungen in alle Richtungen, und das alles in einem solchen Affentempo, dass mir die Spucke wegblieb. Und ich bin ja nun wirklich nicht der Langsamste.

Zweifel an dieser These kommen mir wenig später, als ich durch den grünen Niddapark radele, nach wie vor aber rege überholt werde. Es hat den Eindruck, als wollten all diese Stahleselbesitzer noch schneller an ihr Ziel kommen als mit dem Auto, auf jeden Fall aber schnell schnell schnell! Kein Blick nach nebenan, wo nur einen Tag nach der großen Mahd hellgelbe Blüten am Wegesrand von der Überlebenskunst der Pflanzen künden; kein Blick ans Firmament, wo sich eine merkwürdige Wolkendecke in schräger Linie von dem hellblauen Himmelslicht abgrenzt, das noch über den Taunushügeln leuchtet; und sicher auch kein Lauschen auf den Gesang der Vögel, der das Ginnheimer Wäldchen und alle Wiesen, Bäume und Sträucher drumherum mit wohligem Lebensgeräusch erfüllt. Du gehst meditativ, meinte einmal eine Kollegin zu mir, als sie, mich begleitend, ihren Gang immer wieder verlangsamen musste. Offenkundig hat es nun auch meine Art erwischt, Rad zu fahren…

13.6.2019

13.6.2019

Natur in der Stadt, das war das Motto der Bundesgartenschau 1989, die mit viel Pomp im vom Acker zum Landschaftspark umgestalteten Niddapark zwischen Ginnheim, Bockenheim, Hausen, Praunheim und der Römerstadt aufgezogen wurde, allerdings einen Minusrekord aufstellte, was die Besucherzahlen anging. Die Natur hat sich in diesem Gebiet in den vergangenen 3 Jahrzehnten prächtig entwickelt, soweit man sie ließ, und erfreut sich insbesondere bei Hundebesitzern großer Beliebtheit. Sie haben das Zentrum der Anlage, eine großflächige Wiese, zu ihrer Heimat auserkoren, was man gut an der plattgetretenen Schneise in der Mitte der Wiese erkennen kann, die sich in ganzer Wiesenlänge von Nord nach Süd zieht.

Immer um diese Zeit im Jahr kommt dann der Bauer und mäht – denn diese Wiese darf wachsen, vom Beginn der Wachstumsphase bis eben jetzt, und wenn’s zu hoch geworden ist, wird Viehfutter draus gemacht, wie das eben traditionell schon immer so war in der Landwirtschaft, an der der Stadtbewohner auf diese Weise auch in heimischen Gefilden teilhaben kann und sich so die Besichtigungstour raus in die Wetterau erspart. Wegen meiner Urlaubsabwesenheit kommt es mir heuer außerordentlich früh vor, dass die Sens-Maschine rattert, wie ich es heute mitbekommen habe; da fehlt ein Stück erlebte Zeit, in der ich – wie in anderen Jahren – dem Gras beim Wachsen zusehen konnte. Und jetzt liegt es schon zum Trocknen am Boden… An der Höhe der Halme kann man immer gut abschätzen, wie das Frühjahr war – 2002, daran erinnere ich mich genau, reichte es mir bis zur Schulter; ich konnte fast nicht mehr darüber hinweggucken. Im vergangenen Jahr war es kniehoch, und dieses Jahr, na ja, es geht gerade so bis zu den Hüften. Also – immerhin feuchter als 2018, aber kein Vergleich mit 2002!

12.6.2019

12.6.2019

An der Miquel-/Adickesallee steigt ein Mann in die U-Bahn, hängt sich sofort seine Gitarre um und beginnt, ein Liedchen zu singen. Nein, kein huldvoll-seliger Gesang wie derjenige von den Madonnen am Flughafen von Sevilla, sondern eher soulig angehaucht, jedenfalls hinreichend gefühlvoll und ruhig, um in der Morgenstunde als angenehm empfunden zu werden. Der Gesang weckt Assoziationen an die Jugendzeit: Ach ja, damals. So lässt sich auch eine sonst nur ratternde Fahrt genießen.

Einige Passagiere, vorwiegend weiblich, sahen das offenkundig genauso und spendierten dem Barden nicht nur ein schönes Trinkgeld, sondern mit freundlichem Lächeln auch noch herzliche Dankeswünsche für die Darbietung. Auch ein Händedruck und ein Klaps auf die Schulter fehlten nicht. Eigentlich nur Kleinigkeiten, aber mit einem Mal durchströmt einen sogar in dieser U-Bahn ein wohliges Gefühl…

11.6.2019

11.6.2019

Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub fällt meist schwer. Schwer fällt es aber auch, sich wieder an Frankfurter Verhältnisse zu gewöhnen, wenn man die drei Wochen zuvor im Süden und in weitgehend noch intakter, vor allem aber ruhiger Natur verbrachte. So gesehen – der alltägliche Wahnsinn hat mich wieder… oder sollte es besser heißen der wahnsinnige Alltag?

Dass, auf der Hinfahrt zur Arbeit, der schöne neue Radweg in der Sophienstraße verstopft ist, weil ein Autofahrer nicht am Rand der für die Autos zugelassenen Fahrbahn, sondern eben jenseits dieses Rands auf dem Radweg hält, sollte kaum aufregen können; es ist leider – alltäglich. (Und das im Land der Regeln; die werden hierzulande jedoch schon lange nicht mehr beachtet, weil keiner sie mehr kennt!) Am Nachmittag, auf der Bockenheimer Landstraße, herrscht jedoch Chaos pur: Stop and Go; ein Autofahrer hält die Kreuzung nicht frei mit der Folge, dass der Verkehr von der einmündenden Straße nicht vorankommt – also wird gehupt; der die Regeln nicht beachtende Autofahrer spielt mit der rechten Hand am Handy herum, während er gar nicht bemerkt, dass er die Kreuzung verstopft; Radfahrer kommen aus allen Himmelsrichtungen, auf dem Radweg, der Straße und dem Bürgersteig, und schwärmen ebenso in alle Richtungen wieder aus, ohne dass sich ihre jeweilige Richtung präzise vorhersagen ließe; und 10 Meter vor der regulären Bushaltestelle entlässt ein Reisebus seine Ladung (eine ganze Schulklasse) über den Radweg und die Grünanlage, die nicht zum Betreten gedacht ist. Er hätte einfach nur an die Haltestelle weiterfahren und dort stehenbleiben müssen, dann hätten die Kinder wenigstens freie Bahn gehabt. So dauert alles nochmal so lang, und man weiß als Verkehrsteilnehmer nicht mehr, wo einem der Kopf steht; man muss sich unheimlich konzentrieren, um nicht unter die Räder zu kommen oder jemanden umzufahren (ach ja, die Fußgänger, die bei Rot über die Straße gehen, gibt es ja auch noch!). Fast wäre eine Erschwerniszulage für jede Fahrt durch die Frankfurter Innenstadt angebracht. So fühle ich mich schon zum Abschluss des ersten Arbeitstages – urlaubsreif!

9.6.2019

9.6.2019

Nach fast dreiwöchiger Pause sei das Kaleidoskop wiedererweckt!

Doch halt – es hat nie ganz geschlummert. Es hat nur den Ort gewechselt. Darum findet der Leser jetzt eine ganz neue Seite auf dieser Seite, die oben im Menü angeklickt werden kann. Wer dem Autor auf seiner Reise folgen möchte – bitte sehr!

20.5.2019

20.5.2019

Urlaub ist etwas Feines. Vor allem, wenn schon ein Jahr vergangen ist, seit der letzte Urlaub stattfand.

Allerdings bringt der Urlaub meist einen Ortswechsel mit sich. Frankfurter Begebenheiten können darum erst nach seinem Abschluss wieder berichtet werden. Also keine Sorge: Das Kaleidoskop macht jetzt nur mal Pause.

18.5.2019

18.5.2019

Als ich im Herbst nach langer Pause zum ersten Mal wieder ins Stadion ging, war nicht absehbar, wie sich die Bundesliga- und Europa-League-Saison entwickeln würde. Die Eintracht siegte 4:1 gegen Hannover, und wow – ich sah erstmals eine Spielfreude, wie ich sie lange vermisst hatte. Seitdem bin ich genauso außer Atem gekommen wie die Spieler. Na ja, das ist wohl übertrieben. Aber wer hätte gedacht, dass es, vor allem im ersten Halbjahr dieses Jahres, zu einer derartigen Serie von rauschenden Fußball-Events im Drei- oder Vier-Tage-Rhythmus kommen und ich dermaßen häufig in der Arena sein werde! Insofern bin ich froh, dass es damit nun erst einmal sein Bewenden hat. Fan-Feste sind ja wunderbar; aber irgendwann hat sich der Reiz dann doch erschöpft.

So schneidig sie teilweise spielten – die Eintracht ist aber eben immer noch die alte Eintracht. Und die ist leider dadurch gekennzeichnet, dass sie es in den entscheidenden Situationen nicht schafft, die Saison und ihre eigenen Leistungen gebührend zu krönen. Über diesen strukturellen, ja der Eintracht gleichsam eingeborenen Mangel können auch Ausnahmen wie der Pokalgewinn im letzten Jahr nicht hinwegtäuschen. Seit ich mich für Fußball interessiere, also seit mehr als 50 Jahren, ist es immer so gewesen. Die Hoffnung, es könnte damit einmal vorbeisein, war schon lange nicht mehr so groß wie in diesem Jahr; und doch trog sie. Jetzt droht wieder einmal ein Ausverkauf, und dann muss doch ein weiteres Mal von Neuem begonnen werden. Bleibt die vage Hoffnung, dass es dem Verein doch gelingt, Schritt für Schritt das Niveau zu steigern, von dem aus der jeweilige Neustart wieder losgeht. Vielleicht ist es mir ja doch noch vergönnt, in ferner Zeit zu erleben, dass dieser alte Eintracht-Virus endlich ausgerottet ist. Man weiß ja nie…

15.5.2019

15.5.2019

Es bedarf nicht notwendig einer Reise nach Berlin, um Erinnerungen an Phänomene aus den Zeiten des realen Sozialismus wachzurufen. Zwar soll die dortige Ausländerbehörde dem Vernehmen nach der deutsche Spitzenreiter sein, soweit es um techno- und bürokratisches Versagen geht. Doch wer die Rezensionen zur Frankfurter Servicestelle „Rund ums Auto“, ehedem schlicht Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle genannt, bei Google gelesen hat, rechnet mit dem Schlimmsten, wappnet sich zwangsläufig mit einer Tagesration Zeit und verordnet sich angesichts drohenden Ungemachs auch innere Gelassenheit, selbst wenn es nur um die Beschaffung eines Ersatz-Dokuments geht.

Bei Ankunft an der Servicestelle um 7:15 Uhr morgens – eine Viertelstunde vor der Öffnung – ist die Schlange der Wartenden geschätzt 100 m lang, und alle paar Sekunden wächst sie um weitere Personen. Die Befürchtungen scheinen sich als realistisch zu erweisen. Als die Türen pünktlich geöffnet werden, wirkt es, als saugten sie die Masse förmlich in das Gebäude hinein. Doch welch Erstaunen – es geht tatsächlich sehr schnell. Die längste Schlange, das stellt sich erst drinnen heraus, ist diejenige derjenigen, die ihr Fahrzeug zulassen möchten; man erkennt sie an den vielen Fahrzeugschildern, die die Wartenden mitgebracht haben. Die müssen dann erst mal vorgeprüft werden, bevor sie eine Nummer bekommen, auf deren Aufruf sie dann mehr oder weniger lang warten müssen. Doch wer „nur“ Ersatz für ein Papier braucht oder besondere Wünsche hat, darf sich an einen Sonderschalter begeben, an dem tatsächlich nicht so viele warten. Und hier geht es sogar noch fixer – wenn alle nötigen Papiere vorhanden sind. Dann wird man zum Geldautomaten geschickt, der aber nur zum Einzahlen da ist, und hat danach flugs das gewünschte Dokument in der Hand. Von wegen Sozialismus! Und der Mann hinterm Tresen war überaus freundlich. Nein, mit DDR oder Berlin hat das nun gar nichts gemein. Trotzdem war ich froh, dass ich die Servicestelle nicht wegen einer Zulassung aufsuchen musste!