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Autor: admin

10.3.2019

10.3.2019

Seit die Italienische Bäckerei zugemacht hat, lebe ich, frühstückstechnisch gesehen, in der Diaspora. Die in Heddernheim noch verbliebenen Betriebe bieten zwar auch am Sonntag ihre Dienste an; es lohnt sich jedoch nicht, dieselben in Anspruch zu nehmen. Aufbackware und Geschmacksqualität wie von Pappe muss nicht in meinen Magen, auch wenn er sich noch so leer anfühlt.

Auch wenn die Grenze zur Dekadenz leicht überschritten scheint – Sonntags kann mich diese Situation dann schon mal zur Fahrt in die City animieren, wo es Läden wie „Zeit für Brot“ und dergleichen gibt. Zugegeben, ein Hipster-Laden, jedenfalls für die nahen Nordend-Bewohner, die da in Mengen die Waren für ihren reich gedeckten Frühstückstisch erstehen, teils in Jogging-Kleidung, teils auch schon für einen Museums- oder frühen Kino-Besuch schick gemacht. Oder die, wie auch ich manchmal, sich in diesem ganzen Getümmel bei wegen der Käuferschlange permanent offener Ladentüre die morgendliche Mahlzeit gleich an Ort und Stelle einverleiben. Sicher, es gibt Gemütlicheres; aber soll ich die ganze Strecke noch mit leerem Magen zurückfahren, den wunderbaren, paradiesischen Genuss verheißenden Duft des frischen Hefegebäcks in der Nase?

9.3.2019

9.3.2019

Wer einmal zu fühlen bekommen hat, was es bedeutet, wenn das Schauspielhaus ausverkauft ist, reiht sich unweigerlich und zwangsläufig ein in die Phalanx der Befürworter eines Neubaus für die Städtischen Bühnen. Egal ob einer für beide Bühnen, also auch die Oper, oder – was sinnvoller scheint – jeweils getrennt – so wie jetzt kann es auf keinen Fall bleiben: Eine wirklich große Lösung muss her. Und da ist die rein technisch oder vielleicht für den Brandschutz gebotene Sanierungsbedürfigkeit noch nicht einmal das Ausschlaggebende!

Schon vor Beginn der Aufführung (und erst recht in der Pause) bildet sich eine lange Schlange vor der Damen-Toilette, weil es nur diese eine gibt; anders als in der Oper, aber auch da stehen sie. Im Foyer bekommt der Besucher Atemnot, obwohl ja nebenan noch die Panorama-Bar geöffnet hat, die aber auch bis auf den letzten Stuhl besetzt ist. Es ist einfach kein Raum für die vielen Menschen, die sich zur Schauspielkunst hingezogen fühlen – auf engstem Raum steht man Schulter an Schulter und muss schwer aufpassen, dem Nebenmann beim Vorbeigehen nicht das Weinglas zu zerdeppern. Und vor das Nachhausegehen haben die Verantwortlichen erst einmal das Warten auf die Herausgabe der abgegebenen Garderobe inszeniert, als wollten auch sie uns Godot verheißen. Immerhin jeweils zwei Garderobenkräfte rechts und links, bei zuweilen mehr als 1000 Zuschauern – da kann doch keiner sich beklagen… Diese räumliche und organisatorische Enge ist schlicht unwürdig. Es wird Zeit, dass Frau Hartwig handelt.

8.3.2019

8.3.2019

Es ist Freitag, früher Abend, und das Wochenende naht. Freitag Abend war für mich immer der Tag, an dem schon Wochenend-Gefühle sich einstellten. Das scheint auch für andere zu gelten.

Auf dem Weg von der Hauptwache Richtung Ginnheim leert sich die U-Bahn nicht kontinuierlich, wie sonst; nein, es steigen auch immer wieder neue Fahrgäste zu, vor allem jüngeren Alters, männlich wie weiblich, meist in Gruppen, und alle etwas „aufgebretzelt“. Und auch eingeduftet. Insbesondere die jüngeren Herren tragen heutzutage ziemlich heftig Duft. Riecht aber gar nicht schlecht. Meistens jedenfalls; Ausrutscher gibt’s ja immer. Im Nordwestzentrum entlässt dann die Bahn ihre geballte Ladung an Freizeit-Passagieren, die den Abend offenkundig an selbiger Stelle verbringen wollen. Das ehemalige Jugendzentrum hinter der Stadtbücherei ist ja meines Wissens schon lange geschlossen – wo also vertreiben die sich die Zeit? Wird im Zentrum gebummelt, so wie ich das vor Jahren anlässlich eines „Night-Shoppings“ zu irgendeinem NWZ-Jubiläum mal erlebte, als das Zentrum schier barst wegen der vielen Jungs, die in Disko-Glitzer ihre Bräute ausführten, aber einfach nur hin- und herliefen? Wie auch immer – die werden ja wohl nicht nur dahinfahren, um sich bei ALDI mit Flüssigkeit zu versorgen…

7.3.2019

7.3.2019

Ich stelle mir immer wieder die Frage, wie es möglich ist, dass der Verkehr in dieser Stadt überhaupt noch so einigermaßen funktioniert. Vor Jahren machte ich dieses Pendel-Theater ja selbst allmorgend- und abendlich mit, wenn auch jeweils in die verkehrte Richtung. Doch schon seinerzeit bin ich regelmäßig fast wahnsinnig geworden ob der schieren Menge von rollendem Blech auf der Gegenspur, das allerdings regelmäßig zum Stillstand kam; und manchmal erwischte es mich ja auch. Jetzt haben sie wieder statistisch festgestellt: 380.000 Pendler pro Tag, aber immerhin 30 % weniger Verkehr in der Innenstadt – dafür 30 % mehr in den Außenbezirken.

Wenn dann die UEFA ein Europa-League-Spiel auch noch auf 18:55 Uhr festsetzt, geht gar nichts mehr und da wundere ich mich dann nur noch, dass das Stadion zu Spielbeginn trotzdem voll ist. Es ist mir ein Rätsel, wie die Fans das schaffen. Nicht nur rund um das Stadion, sondern eigentlich rund um die ganze Stadt war alles im Zwangs-Stillstand, sogar die S-Bahn, weil Idioten auf den Schienen randalierten. Und es sind ja nicht alle mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs. Berufsverkehr und Fanverkehr gleichzeitig, das ist einfach nur eine Katastrophe. Und die verdeutlicht, dass in Frankfurt einiges schon sehr nah am Limit ist. Wenn nicht schon drüber.

6.3.2019

6.3.2019

Wer schon immer mal am liebsten auf seine Bank scheißen wollte – bitte sehr, in Frankfurt gibt’s dafür jetzt die geeignete Örtlichkeit. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Das stille Örtchen für bestimmte menschliche Bedürfnisse im „MyZeil“-Einkaufszentrum (ich weigere mich, das mittlerweile auch hierzulande gebräuchliche amerikanische Synonym zu verwenden) ist umgebaut worden und erscheint jetzt im Glanz eines Hochsicherheitsraums einer Bank.

Da wird ein begehbarer Safe simuliert und sind mitten im Raum Gebilde aufgeschichtet und zur Schau gestellt (natürlich hinter Sicherheitsglas), die wie Goldbarren anmuten, obwohl ich beim ersten Blick aus der Ferne naiverweise noch vermutete, es handle sich um Handtücher – wie sie ja in besseren Örtlichkeiten dieser Art dann und wann auf diese Art drapiert werden. Aber schon der Weg von der Kasse (ja, hier wird man nichts umsonst los) dorthin hätte mich eines Besseren belehren können, wenn ich nur an die Wände geschaut hätte – umgeben von Schließfächer-Fototapeten könnte man wirklich auf die Idee kommen, hier in einem Schatzkästlein zu verweilen. Nur habe ich nicht den passenden Schlüssel, um so ein Ding an der Wand zu öffnen…

5.3.2019

5.3.2019

Das Schönste an der Fastnacht in Heddernheim ist der Fastnachtsdienstag. Für mich jedoch nur mittelbar wegen des großen Narrenumzugs am Nachmittag. Dieser bewirkt allerdings eine fast ganztägige großflächige Befreiung des Stadtteils von den Unmengen an Blech oder Plastik auf Rädern, die sonst die Straßen verstopfen. Da sieht man erst, wie viel Raum in diesem doch so eng gebauten Stadtteil vorhanden ist, und man kann mal so richtig durchatmen!

Wegen dringender dienstlicher Verpflichtungen konnte ich heute zwar nicht, wie sonst an diesem Tag, meinen morgendlichen Rundgang durch auto- und nahezu auch menschenleere Straßen machen, nur dann und wann aufgelockert durch das Tätigwerden eines der zahlreich in den Stadtteil beorderten Abschlepp-Fahrzeuge, bei dem zuzuschauen mir eine diebische Freude bereitet. Ach wenn doch auch an anderen Tagen diese Entschiedenheit an den Tag gelegt werden würde! Doch anders als im Stadion wird hier in der Regel nicht sofort zugegriffen, um die öffentliche Sicherheit wieder herzustellen. Parken in zweiter, gar dritter Reihe und vor Einfahrten ist an der Tagesordnung und wird fast ohne Ausnahme nicht sanktioniert. Allenfalls mit Knöllchen. Also doch: Schade, dass morgen alles wieder normal ist…

4.3.2019

4.3.2019

Jetzt spielen die großen Jungs wieder mit den großen Lego-Steinen, ganz massiv. Die Fastnachts-Umzüge (glücklicherweise ist diese ganze Narretei in zwei Tagen rum) müssen gesichert werden; dazu werden verstärkt die Beton-Kästen aufgestellt, die Lastwagenfahrer mit bösen Absichten daran hindern sollen, die Narren vorsätzlich umzufahren. An allen Endpunkten des Stadtteils, der morgen gesperrt und dann ein Tollhaus werden wird, werden sie heute schon aufgestellt, diese grauen Ungetüme, beobachtet jeweils von Polizeistreifen und hertransportiert auf Riesen-Lastern. Klar, dass dasselbe dann nochmals am Mittwoch geschehen wird, nur andersrum.

Nun ist ja klar, dass es einen beklagenswerten Grund für diese Vorsichtsmaßnahmen gibt. Aber wer glaubt denn im Ernst daran, dass dadurch Terroristen, die einen Anschlag vorhaben, an dessen Ausführung tatsächlich gehindert werden? Das ist doch alles nur Sicherheits-Kosmetik, die den Eintritt des Ernstfalls nicht ausschließen kann – mörderische Phantasie kennt keine Grenzen. Und dennoch stehen an zentralen Orten wie der Alten Oper oder der Hauptwache diese Hässlichkeiten das ganze Jahr über herum, versperren Wege und verschandeln das Stadtbild. Wie wäre es, der Wahrheit ins Auge zu sehen und klar einzugestehen, dass absolute Sicherheit nicht gewährleistet werden kann? In diesem Sinn kann man tatsächlich von einer „Macht des Schicksals“ sprechen, denn was alles passieren kann, wissen wir sowieso nicht.

3.3.2019

3.3.2019

Die Presseberichterstattung kreist manchmal um das falsche Thema und verzerrt dadurch die eigentliche Problematik. So geschieht es gerade wieder im Hinblick auf den unrühmlichen Polizeieinsatz vor dem Fußballspiel gegen Donezk. Nicht die Durchsuchung des Fanblocks war der Skandal – nur darüber wird noch geschrieben, und sicher, auch über deren Zulässigkeit kann man gut streiten -, sondern die Beschlagnahme des von den Fans gefertigten Banners mit durchaus nicht freundlichem Inhalt, die auch noch gewaltsam durchgesetzt wurde. Zu diesem Thema findet sich etwa in einem sehr ausführlichen Interview der FAZ mit Herrn Beuth überhaupt nichts. Erstaunlich angesichts der Tatsache, dass der Interviewer nur wenige Tage zuvor gerade die Beschlagnahme kritisiert hatte. Weil die Pyrotechnik in den Vordergrund gerückt wird, verliert die – im Interesse des Rechtsstaats notwendige – Diskussion aber den wahren Fokus.

Die Fans selbst haben das hingegen sehr wohl begriffen, wie man am Samstag im weiten Rund der Arena sehen konnte: Die Spruchbänder, die da flächendeckend die Werbebanner bedeckten – sicher nicht ohne das Einverständnis der Verantwortlichen der Eintracht; Hut ab! – , stellten vor allem die Meinungsfreiheit in den Vordergrund und zielten damit zu Recht gegen das polizeistaatliche Vorgehen der Frankfurter Polizei, die die Meinungsfreiheit nicht gegen ihren obersten Chef gelten lassen wollte. Das gab es zuletzt zu unrühmlichen Zeiten, die lange vorbei sind. Phantasie zeigten die Fans dabei auch noch. Und offenkundig wollte die Polizei diesmal nicht provozieren – die Beamten verbrachten den Nachmittag weitgehend in ihren Mannschaftswagen. Pyrotechnik wurde übrigens auch nicht abgefackelt. Alles friedlich. Na bitte. Ich kann den beflissenen Schutzleuten nur sagen: Bleibt einfach nur im Hintergrund, dann geht alles besser!

2.3.2019

2.3.2019

Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass das gesamte Verkehrsdezernat eine Dienstreise nach Kopenhagen unternehmen sollte, um sich vor Ort anzuschauen, wie man eine Verkehrsplanung macht, die auch Radfahrern wirksam zu ihrem Recht verhilft – der Radverkehr in Frankfurt hat in den vergangenen Jahren exorbitant zugenommen. Das sieht man nicht zuletzt sogar im Waldstadion – der Fahrrad-Parkplatz am Haupteingang platzt bei jedem Spiel aus allen Nähten, auch wenn man sich fragen könnte, warum sich all die Radfahrer (einschließlich meiner selbst) der Tortur unterziehen, auf schlaglochübersäten oder mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen, zum Teil eng entlang an gefährlichen Straßenbahnschienen, oder gar auf unbefestigten Wegen (durch Wald und Flur) zum Fußballspiel zu fahren. An den anderen Eingängen gibt es gar keine Abstellplätze für Räder; da sind dann Hunderte an Zäunen oder Geländern angeschlossen oder stehen wild in der Gegend herum.

Die Antwort weiß jeder Radfahrer: Nur diese Art der Annäherung an das Fußballspiel gewährleistet in der Regel pünktliches Erscheinen und ebenso schnelle und problemlose Abreise vom Ort des Geschehens. Außerdem genießt man Bewegung und frische Luft; na ja, zumindest beim Hinfahren. Den Abgaswolken nach dem Spiel entgeht nur derjenige, dem sein Wohlergehen mehr bedeutet als noch 14 qualvolle Minuten mit anzusehen, in denen die Eintracht aus einem 1:2 noch einen 3:2-Sieg fabriziert. Früheres Verlassen des Spiels war zu Zeiten von Armin Veh meist kein Fehler. Heute muss ich, da gibt’s noch was zu lernen, abwägen – Nervenkitzel gegen Sicherheit. Vielleicht könnten die Radwege-Verantwortlichen der Stadt mir behilflich sein und wenigstens einen einzigen vernünftigen Radweg zum Waldstadion bauen?

1.3.2019

1.3.2019

Frankfurt wächst, und Frankfurt verändert sich permanent. Das geschieht nicht nur zufällig – auch wenn das Stadtbild weitgehend anderes ausdrückt -, sondern da wird auch schon mal geplant. Früher lag alle paar Monate ein Prospektchen des seligen Planungsdezernenten Schwarz im Briefkasten, aus dem der interessierte Bürger ersehen konnte, welche Areale der Stadt in näherer Zukunft einer „Umgestaltung“ oder „neuen Nutzungsformen zugeführt werden“ sollten; heute sind die meisten dieser Projekte in die Tat umgesetzt. Nun, das Prospektchen gibt es nicht mehr; Umgestaltung findet freilich immer noch statt.

Heute berichtete die Lokalpresse gleich von zwei Planungen. Beide, obwohl völlig unabhängig voneinander, zeigen erneut die Hilf-, aber auch Phantasielosigkeit, die in den Hirnen der Verantwortlichen dominiert. Im Osthafen soll die Hafenmole mit einem – wegen des nahen Gebäudes der EZB – nicht ganz so hoch wachsen dürfenden Hochhausriegel eingerahmt werden, der die Teilung der Hafenbecken in seinem Äußeren nach oben hin fortsetzen soll. Wie das aussieht? Na wie wohl: Geradlinig, verglitzert (durch die üblichen Glasfassaden), glatt, kühl – und rein soll natürlich wieder ein Hotel, unter anderem. Hab ich noch was von Wohnnutzung im Bereich „upper upscale“ gelesen? Ich weiß es nicht mehr. Um Wohnnutzung geht es hingegen beim zweiten Projekt, der Planung von Mietwohnungen auf dem Areal des Hilgenfelds am Frankfurter Berg. Da gab es sogar einen Architektenwettbewerb mit internationaler Beteiligung, hört hört! Doch die Preise haben dann wieder einheimische Büros eingeheimst. Die Foto-Simulationen der Vorhaben verheißen den üblichen, hier allerdings durch abgerundete Konturen etwas modifizierten Einheits-Look. In solchen Gebäuden fühlt sich keiner wohl; aber darauf scheint kein Wert gelegt zu werden. Den interessantesten Vorschlag unterbreitete ein Architektenteam aus den Niederlanden – die wissen, wie man in neuer Zeit baut. Diese Gebäude sind hell angelegt, sollen aus Holz (einem Naturmaterial) gebaut werden, sind phantasievoll gegliedert, weichen schlicht vom Normalmaß ab und bieten sowohl dem Auge als auch der Seele etwas. Und den Bewohnern Luft, Sonne und Privatsphäre – trotz großer Offenheit nach außen. Kurz: Mal was Aufregendes, Sinnliches, Ungewöhnliches. Doch sowas kommt nicht in die engere Auswahl für eine Realisierung – die Architektur sei zu kompliziert. Na dann, geben wir doch gleich ein Haus von der Stange – wie zum Beispiel in massiver Dichte im Europaviertel – in Auftrag und sparen uns den Wettbewerb!