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Schlagwort: Bockenheimer Warte

Ein Provisorium für die Ewigkeit…

Ein Provisorium für die Ewigkeit…

In zwei Jahren jährt sie sich zum fünfzigsten (50.) Mal, die Eröffnung der heute Ginnheim (Mitte) genannten Kombinationshaltestelle von U- und Straßenbahn im Frankfurter Nordwesten, und man darf getrost davon ausgehen, dass noch ein paar Jahrzehnte dazukommen werden, bis hier grundlegende Veränderungen ins Werk gesetzt werden. Fünfzig Jahre Pendlerqual – die Station und insbesondere die von ihr ausgehende Strecke der Linie 16 dürfen mit Fug und Recht als der absolute Tiefpunkt des ohnehin nicht grandiosen Angebots des öffentlichen Personennahverkehrs in Frankfurt angesehen werden: Wer von Norden kommend in Richtung Bockenheim weiterfahren möchte, verzweifelt schon regelmäßig bei der Einfahrt der U-Bahn in die Station und erliegt fast der Versuchung, die Bahnen anschieben zu wollen, da diese seit dem vergangenen Jahr in einem Tempo von weniger als Schrittgeschwindigkeit die Strecke von 100 m bis zum Poller zurücklegen – weil vordem einmal eine Bahn da drankrachte. Ja, in Deutschland und vor allem bei der VGF ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste, und so müssen jetzt alle Bahnen im Kriechtempo versuchen, das Auffahren auf den Poller zu vermeiden (was immerhin in den 47 Jahren zuvor bei normaler Fahrgeschwindigkeit ausnahmslos gelang). Wenn sich dann gnädigerweise die Türen öffnen (was auch schon mal etwas dauern kann), sind von der Linie 16, die zuvor noch brav am anderen Bahnsteig auf Passagiere wartete, regelmäßig nur noch die Rücklichter zu sehen – sie musste ohne die zu ihr hechelnden Fahrgäste losfahren, um das sehr knapp bemessene Signal zur Ausfahrt auf die Straße nicht zu verpassen, das selbst dann noch minutenlang auf sich warten lässt, wenn es durch den vom Fahrer selbst am Ampelgehäuse zu betätigenden Schließmechanismus ausgelöst wurde (doch, wir befinden uns in der technischen Neuzeit, nicht im Mittelalter!). Verständlich, dass der Fahrer oder neuerdings zunehmend auch die Fahrerin da nicht mehr auf Fahrgäste warten kann, zumal die Bahn in der Regel sowieso erheblich verspätet ist. Weil sie, von Offenbach/Stadtgrenze kommend, durch das ganze Stadtgebiet mit unzähligen Kreuzungen und Engstellen tuckern muss, an denen der Autoverkehr regelmäßig Vorfahrt hat.

Eigentlich hatte das ganze Elend nur vorübergehend sein sollen. Die Verlängerung der U-Bahn zur Bockenheimer Warte und weiter zum Hauptbahnhof waren bereits baureif geplant, die Finanzierung war sichergestellt; die Strecke vom Nordwestzentrum zum Bahnhof hätte nach Fertigstellung der Linie in wenig mehr als zehn Minuten zurückgelegt werden können – das wäre sehr attraktiv gewesen. Doch dann kam eine Kommunalwahl (wehe! Es droht der 15. März!) und die CDU (mit der allseits weit überschätzten Frau Roth an der Spitze) ging mit den Grünen eine Koalition ein, deren Zustandekommen von den Grünen mit dem Junktim verknüpft wurde, die U-Bahn-Strecke nicht zu bauen, verkehrlicher Nutzen hin oder her, egal. Basta. Seitdem, also in zwischenzeitlich etwa 20 Jahren, geschah nichts. „Verkehrswende“ bedeutete seinerzeit Abkehr von der bösen U-Bahn, aber ohne Ersatz. Die Leidtragenden waren und sind bis heute alle Menschen, die auf diese Verkehrsverbindung angewiesen sind. Sie stehen Tag für Tag mit kaum verständlicher Geduld an den verrotteten, selbstverständlich nicht mit Informationssystemen ausgestatteten und schon gar nicht barrierefreien Bahnsteigen längs der Strecke, warten auf die regelmäßig zu spät (wenn überhaupt) kommenden Straßenbahnen und verpassen ebenso regelmäßig den planmäßigen Anschluss an die U-Bahn. Alles wirkt, als existierte diese Strecke für die VGF und die für Verkehr verantwortlichen Stadtpolitiker (auch hier wieder in vorderster Reihe die GRÜNEN) überhaupt nicht. Bis zur Verwirklichung der neuerdings angestellten Planung für die Weiterführung der U-Bahn-Linie in ein paar Jahrzehnten vielleicht auch mal zu überlegen, wie man der täglichen Not auf der alten Strecke ein Ende bereiten könnte – das fällt den Verantwortlichen nicht im Traum ein. Na ja, sie fahren dort ja auch nicht täglich mit der Straßenbahn.

25.6.2019

25.6.2019

Zwei Tage Verzicht aufs Radfahren zur Arbeit genügen schon. Dann hat man die Nase wieder voll vom ÖPNV. Heute war alles irgendwie gestört, schon der morgendliche Bus kam aus unerfindlichen Gründen bei allerruhigster Verkehrslage zu spät. Gut, am ersten Tag waren die Bahnen erstaunlicherweise mal zuverlässig. Unverständlich ist allerdings, was den Straßenbahnfahrer (richtig, es war mal wieder die Linie 16) an der Bockenheimer Warte dazu bewog, geschlagene 3 Minuten einfach stehen zu bleiben, mit offenen Türen bei Gluthitze. Wo doch die Bahn klimatisiert war! Und warum er dann die Türen schloss, um zwei Meter zu fahren und dann wieder eine Minute an der Fußgängerampel zu halten. Er hätte dann doch einfach stehenbleiben und noch die drei Fahrgäste mitnehmen können, die ihre Finger am Türknopf wunddrückten, weil der Fahrer ja schon mal kurz weitergefahren war und die Türen verschlossen hielt. Und dann bog er zwar um die Ecke in die Sophienstraße, musste aber an der nächsten Ampel schon wieder halten. Gell, das ist verständlich, dass einem die Lust vergeht, wenn man jeden Tag solchen oder ähnlichen Situationen ausgesetzt ist!

Und ausgerechnet die Linie 16 steht jetzt im Fokus von Ausbauplänen. Das zeigt krass die Halbwertzeit der Entscheidungen der Verkehrspolitiker. Man denkt doch tatsächlich darüber nach, die Linie bis nach Offenbach oder gar Fechenheim zu verlängern. Das ist ja im Grunde löblich; doch erst vor 20 Jahren waren es die Politiker, die dafür sorgten, dass die damals – und schon viel längere Zeit vorher – vorhandenen Schienen in der Frankfurter Straße in Offenbach abgebaut wurden, weil die Linie 16 gerade an der Stadtgrenze gekappt worden war. Der Doppelverkehr, den man damals kompromisslos zu vermeiden trachtete, scheint heute niemanden mehr zu stören, obwohl er nicht zu bestreiten wäre: 250 m Luftlinie entfernt von der heutigen Endhaltestelle hält die S-Bahn, und ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass die Offenbacher ausgerechnet die Rumpelstraßenbahn mit ihrem engen, oft zugestellten Linienweg durch Oberrad und weiter durch Sachsenhausen bis zum Hauptbahnhof nutzen werden, um nach – realitätsnah – einer halben Stunde in die Frankfurter City zu gelangen, wenn sie ihr Ziel mit der S-Bahn viel schneller erreichen können. Anders wäre es vielleicht, wenn die Engpässe, die zu den notorischen Verspätungen führen, endlich beseitigt würden. Dafür das Geld auszugeben erwiese sich im ersten Schritt als viel sinnvoller, weil dann alle was davon hätten. Nur Expansion ist nicht immer der Weisheit letzter Schluss.

14.6.2019

14.6.2019

In der Leipziger Straße herrscht regster Verkehr. Ich frage mich immer, wo diese ganzen Autos eigentlich hinwollen, die da von der Bockenheimer Warte einbiegen, in die überaus enge, von alten Häusern gesäumte Straße, die eigentlich schon längst ausschließlich für den Fußgängerverkehr hätte gewidmet werden müssen. Heute sind aber auch noch unzählige Radfahrer unterwegs, gefühlt doppelt so viele als sonst, und wie! Ich gehöre ja zu ihnen, aber heute wäre ich fast abgestiegen und hätte mich aufs Schieben verlegt, so chaotisch kamen sie aus allen Richtungen in alle Richtungen, und das alles in einem solchen Affentempo, dass mir die Spucke wegblieb. Und ich bin ja nun wirklich nicht der Langsamste.

Zweifel an dieser These kommen mir wenig später, als ich durch den grünen Niddapark radele, nach wie vor aber rege überholt werde. Es hat den Eindruck, als wollten all diese Stahleselbesitzer noch schneller an ihr Ziel kommen als mit dem Auto, auf jeden Fall aber schnell schnell schnell! Kein Blick nach nebenan, wo nur einen Tag nach der großen Mahd hellgelbe Blüten am Wegesrand von der Überlebenskunst der Pflanzen künden; kein Blick ans Firmament, wo sich eine merkwürdige Wolkendecke in schräger Linie von dem hellblauen Himmelslicht abgrenzt, das noch über den Taunushügeln leuchtet; und sicher auch kein Lauschen auf den Gesang der Vögel, der das Ginnheimer Wäldchen und alle Wiesen, Bäume und Sträucher drumherum mit wohligem Lebensgeräusch erfüllt. Du gehst meditativ, meinte einmal eine Kollegin zu mir, als sie, mich begleitend, ihren Gang immer wieder verlangsamen musste. Offenkundig hat es nun auch meine Art erwischt, Rad zu fahren…

10.1.2019

10.1.2019

À propos Adalbertstraße: In ihr spiegelt sich das ganze Elend Frankfurter Stadtgestaltung. Ein Musterbeispiel dafür, wie die Stadtplaner Dinge in den Sand setzen. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie mit dem Abschluss des ersten großen Sanierungsprojekts nach dem Krieg, der Sanierung Bockenheims. Ich bin vorher noch mit der Straßenbahn von Praunheim Richtung Innenstadt da durchgefahren, als sich die Straße zur Bockenheimer Warte hin drastisch verengte und die Autos der Bahn permanent den Weg versperrten.

Heute sind die Engstellen nicht mehr kriegsbedingt, sondern planungsbedingt, und sie treffen vorwiegend die Fußgänger. Sie müssen sich das auch so schon schmale Trottoir mit den Radlern teilen, die trotz der geraden Linienführung der Straße immer wieder kleine Kurven zu bewältigen haben, weil für Abbiegespuren unbedingt Platz sein sollte, die allerdings permanent zugeparkt sind. Die Kollisionen sind vorprogrammiert, zumal, wenn Passanten auch noch Kinderwagen vor sich herschieben. Denn die möglichen Ausweichstellen rechterhand, unter den Kolonnaden – aber darf man die überdachten Gänge an den Häuserfronten tatsächlich so wohlwollend benennen? -, sind vollgestellt mit – ja, Kaffeehaus-Stühlen, vermutlich ohne dass die Kaffeehaus-Betreiber über die notwendige Sondernutzungserlaubnis verfügen. Ihren eigentlichen Zweck erfüllen die Kolonnaden darum nicht mehr. Um Depressionen zu vermeiden, darf man nicht an italienische Stadtarchitektur denken…