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Schlagwort: Volksverhetzung

Mutation und Reaktion

Mutation und Reaktion

Schön sind sie sowieso nicht, die grauen Legosteine aus Beton, die seit geraumer Zeit den Opernplatz vor terroristischen Angriffen mit Kraftfahrzeugen schützen sollen, gleichzeitig aber auch das Fahrvermögen von Fahrradfahrenden bzw. das Schiebevermögen von Kinderwagenschiebenden (geschlechtsneutral!!) herausfordern, wenn sie die Straßen queren wollen. Nun erfahren wir aus Zeitung und sozialen Medien (in denen mittlerweile – man muss ja mit der Zeit gehen – immer wieder auch „Posts“ der Stadt zu finden sind), dass künftig 17 schwarz angemalte rechteckige Kästen die Legosteine ersetzen sollen, dies auf Dauer und auch viel schöner, erhalten sie doch eine Auflage mit Erdreich, in dem dann bunte Blumen erblühen sollen. Zur Begrüßung gab es auch ein Foto, das unter anderem unseren Oberbürgermeister nebst seinem Verkehrsdezernenten, beide freundlich in die Linse lächelnd, vor einem solchen Kasten mit Frankfurt-Wappen (geprägt) und Beetauflage zeigt, in dem schon ein paar Osterglocken ihre Glocken gen Himmel recken und auf die nahenden Ostertage warten. Wenn sie denn so lange halten.

Das Ganze wäre mit einem freundlichen Lächeln eigentlich auch abgetan, ist es doch zu begrüßen, wenn die Spitzen der Stadtverwaltung sich um das Erscheinungsbild eines der repräsentativsten Plätze der Stadt kümmern. Natürlich kann man darüber streiten, ob das geglückt ist oder vielleicht nicht doch eine andere Lösung hätte gefunden werden können. Und drollig ist es schon, wenn gleich zwei Magistratsmitglieder freudestrahlend gleichsam zur Kastentaufe kommen, als gälte es, einen Markstein der städtischen Politik zu feiern – nun, es ist Wahlkampfzeit. Aber der völlig aus dem Ruder laufende Shitstorm, der in den unzähligen Kommentaren zu dem städtischen Post auf Facebook zum Ausdruck kommt, zeigt dann doch überdeutlich, wer heutzutage die Meinungsführerschaft dort beansprucht. Hundertfach und im Gleichklang, also ganz offenkundig wie abgesprochen, wird gepöbelt, werden sarkastisch-zynische Kommentare abgelassen, von denen noch die sich auf Anmerkungen zur Optik der Kästen beschränkenden am ehesten zum Anlass passen. Klar ist dort allemal, dass die Stadtpolitiker als unfähig abqualifiziert werden. So weit, so unbeachtlich. Schlimm wird es jedoch, wenn in einigen dieser Kommentare den Kosten für die Absperrmaßnahmen der Umstand hinzugerechnet wird, dass die Stadt im Rahmen der Ramadan-Feierlichkeiten finanzielle Unterstützung gewährt, womit die gleiche Religion begünstigt werde, die die Absperrungen erst habe nötig werden lassen (!!??), weshalb man sich nicht mehr von den Politikern vertreten fühlen könne. Mit Verlaub: Würden diese Schreiberlinge denn etwa den massenhaften sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch Würdenträger der christlichen Kirchen auch der Religion als solcher zurechnen? Davon war bislang nirgends zu lesen. Und eine derartige zynische Vereinfachung verbietet sich auch, ebenso wie in diesem Fall. Sie kommt aber an, wie die unzähligen „Likes“ belegen, die wahrscheinlich von Gesinnungsfreunden (ebenfalls abgesprochen) abgegeben wurden, um der Öffentlichkeit breite Zustimmung zu suggerieren. In solchen Äußerungen macht sich nichts anderes als Volksverhetzung breit, und dies in einer Weise, die für jeden erkennbar organisiert erscheint, natürlich ohne dass die – vermutlich – wirklich Verantwortlichen sich der Öffentlichkeit zu erkennen geben. So funktioniert sie, schon seit Jahren und nicht ohne Erfolg, die Stimmungsmache der AFD.