Ach ja…

Ach ja…

Wehmut befällt den langjährigen Beobachter der Frankfurter Kommunalpolitik: Innerhalb kurzer Zeit verkündete die Presse den Tod gleich dreier früherer Stadträte, die durch ihr Wirken maßgebend dazu beitrugen, dass seinerzeit tatsächlich noch von „Kommunalpolitik“ die Rede sein konnte. Herr Haverkampf als Planungs- und später Baudezernent; Herr Semmelroth, zunächst Mitarbeiter von Hilmar Hoffmann im Kulturdezernat, dann Büroleiter der Oberbürgermeisterin und schließlich Dezernent für Kultur; und Herr Oesterling, langjähriger Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung und dann fünf Jahre zuständig für den Verkehr in der Stadt, als das Dezernat noch nicht Mobilitätsdezernat hieß… Sie alle zeichneten sich durch Fähigkeiten und Tugenden aus, die heute selten geworden sind: Eigener Gestaltungswille, notfalls auch dem „Mainstream“ zuwiderlaufend; Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen, und vor allem: Klare Kante. Diese Herren wussten, was sie – zum Wohl der Stadt – wollten und wie sie es verwirklichen konnten. Ohne sie gäbe es heute etwa weder das Museumsufer noch die bundesweit anerkannte Qualität der Frankfurter Theater noch das ausgebaute Netz von Radwegen oder für den öffentlichen Nahverkehr, und auch noch der Verwirklichung harrende Projekte im Verkehrsbereich gehen mitnichten auf das Wirken des noch amtierenden Mobilitätsdezernenten, sondern dasjenige von Klaus Oesterling zurück.

Die Erinnerung an diese Männer verdeutlicht nur allzu schmerzhaft, was der politischen Kultur abhanden gekommen ist, nicht nur in Frankfurt. Statt streitlustiger, aber letztlich dem Gemeinwohl verpflichteter Vollblutpolitiker, die auch mal anecken, stets aber im Sinn der Sache agieren, tragen heute eher Leisetreter politische Verantwortung, die auch in der Waschmittelwerbung Verwendung finden könnten und prioritär Projekte im Interesse ihrer jeweiligen Klientel verfolgen. Mag Frau Hartwig im Kulturdezernat noch zumindest eine gewisse Hartnäckigkeit und Klarheit auszeichnen, so fehlt der Noch-Bauzernentin Weber nicht nur jede Fachkompetenz; sie stellt sich auch noch permanent Fettnäpfchen auf, in die sie dann auch fast schon pflichtschuldig hineintritt. Der Planungsdezernent, allerdings ein Fachmann, mag durchaus als guter Schwiegersohn durchgehen. Immerhin werden ihm kommunikative Fähigkeiten bescheinigt; auch sie führen freilich nicht unbedingt dazu, dass seine zugegeben komplexen Vorhaben ihrer Verwirklichung etwas schneller nähergebracht würden. Und was die Mobilität angeht – dem durch und durch technokratischen und vorwiegend an kleinteiligen Modellen rumbastelnden, zudem in der Kommunikation gänzlich unbeheimateten Herrn Siefert soll ein CDU-Parteisoldat folgen, dessen politische Karriere sich bislang im Ortsbeirat und im Kommunalwahlkampf abgespielt hat, aber nicht bei der Verkehrspolitik – ein unbeschriebenes Blatt, der zwar offenkundig gern unwichtige Fragen zur Person in seinen Social-Media-Kanälen beantwortet (wer die wohl gestellt haben mag?), aber ein verkehrspolitisches Konzept bislang schuldig geblieben ist (wie überhaupt seine Partei insgesamt auch). Auch er eher ein Schwiegermutterfavorit als ein sowohl fachkundiger wie knallharter Politiker, der sich gegen Widerstände zu behaupten wüsste. Angesichts der vielen Aufgaben, die der neue Magistrat zu lösen hat, wünschte man sich, wenn schon Zeitreisen nicht möglich sind, wenigstens Politiker, die in der Lage sind, sich nicht nur an früheren Vorbildern zu orientieren, sondern ihnen auch tatkräftig nachzueifern!

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