22.3.2021

22.3.2021

Auch wenn damit die örtlichen Grenzen des Kaleidoskops verlassen werden: Die Pandemie offenbart schonungslos die schlimme Verfassung der Republik, präziser: die unglaublich katastrophale Inkompetenz derjenigen, die vom Wahlvolk für vier, zuweilen auch fünf Jahre mit demokratischer Legitimation nach Berlin und in die jeweiligen Landeshauptstädte entsandt worden sind, um Politik zu machen. Es ist fast nicht zu glauben, dass innerhalb nur eines Jahres der Umgang mit dem Virus mit aller Schärfe deutlich macht, dass die an verantwortlicher Stelle tätigen Personen die Anforderungen an die Ausübung ihrer Ämter nicht im Ansatz erfüllen, und zwar flächendeckend.

Demokratische Legitimation verschafft Verantwortung. Dass diese seit einem Jahr durchgehend nur in einer ausschließlich von Angst, Vorsicht und Hilfesuche bei einem sehr begrenzten Bruchteil vermeintlicher Fachleute geprägten Weise wahrgenommen (oder eben gerade nicht wahrgenommen) wird, ist ein Skandal. Der Erkenntnisgewinn seit dem ersten Auftreten des Virus könnte theoretisch ebenso exorbitant sein wie die sich daraus ergebenden Handlungsmöglichkeiten; man hat nur versäumt, ihn herbeizuführen. Stattdessen laviert die Politik immer noch genauso hilflos wie im März vergangenen Jahres herum, nutzt nicht umfassend, sondern nur einseitig und defizitär wissenschaftlichen Sachverstand und kommt über pauschal-plumpe und inkonsistente Schließungskonzepte nicht hinaus. Das Großhirn an sich böte genug Ressourcen für mehr. Offenkundig ist der Prozess der Rekrutierung des politischen Personals in diesem Land komplett inadäquat. In Hinterzimmern und beim Kungeln verliert man leicht den Blick für das Wesentliche und kriegt man auch nicht den für die Denkprozesse eminent wichtigen Sauerstoff. Wer aus solchen Örtlichkeiten in die Parlamente geschickt wird, der muss nicht über die Fähigkeiten verfügen, die nötig sind, um die Ausstattung mit demokratischer Legitimation zu rechtfertigen. Ist es verwunderlich, dass so Subjekte in politische Ämter kommen, die noch nicht einmal im Ansatz etwas dabei finden, zuallererst in die eigene Tasche zu wirtschaften, wie es merkwürdigerweise erst jetzt massenhaft ans Licht kommt? Neu ist das alles nicht; es fiel nur bisher nicht so auf. Unter diesen Umständen erscheint streng genommen nicht die AfD als gefährlich – die ganz „normalen“ Mandatsträger der „staatstragenden“ Parteien sind es, die befürchten lassen, dass diese Republik bald dem Abgrund entgegentaumeln könnte!

21.3.2021

21.3.2021

Pünktlich zum Frühlingsbeginn steht fest: Allein werden die Grünen in Frankfurt nicht mit der CDU oder sonstwem koalieren können, um eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung zu bilden. Umgekehrt gilt das ebenso. Das ist das Gute am schlechten Ergebnis der Kommunalwahl vor einer Woche – man wird sich zusammenraufen müssen, und wenn nicht wieder der alte Dreierbund besiegelt werden wird (sicherlich – obwohl rechnerisch möglich – die Option, die am wenigsten gewünscht wird), dann wird es ein neues Bündnis geben müssen. Möge es zu Hoffnungen Anlass geben…

Allemal lässt die Wahl erkennen, dass Leistung nicht von allzu großer Bedeutung ist und es den Wählern kaum auf die tägliche Arbeit in der Stadtverwaltung ankommt. Denn wäre es anders, hätten die Grünen angesichts der weniger als dürftigen Tatenbilanz ihrer Dezernent*inn*en (schrecklich, diese Gender-Schreibweise; aber hier wegen des Zusammenhangs angebracht…) nicht so haushohe Stimmenzahlen erreichen dürfen. Und auch von den anderen Dezernenten stehen wenige im Rampenlicht. Kein Wort darüber, dass der Verkehrsdezernent der SPD in seinem Bereich die erfolgreichste Bilanz der letzten Jahrzehnte vorweisen kann und insbesondere seine Vorgänger von den Grünen deutlich in den Schatten stellen konnte. Soviel „grüne“ Verkehrspolitik wie in der letzten Wahlperiode wurde in Frankfurt noch nie gemacht, nur mit dem Unterschied, dass sich tatsächlich etwas (zum Vorteil) bewegte. Natürlich gibt es noch genug zu tun, doch die ersten Schritte sind erfolgreich zurückgelegt. Und auch die Kulturpolitik konnte sich sehen lassen; hier konnte angesichts des Bremspotentials der rechten Seite des Bündnisses nicht mehr erreicht werden. Und die von der größten Fraktion in den Magistrat geschickten Dezernenten haben auch nicht gerade geglänzt. Schade, dass dies alles bei der Wahl so gar keine Rolle spielte.

16.3.2021

16.3.2021

Nein, es hat mir nicht die Sprache verschlagen. Doch muss eine Kommunalwahl immer sofort kommentiert werden? Am Sonntag war es wieder einmal soweit, und wer die Schlagzeilen am Montag las, hätte auf den Gedanken kommen können, mit ihrer Stimmabgabe hätten die Wähler den bisher jeweils handelnden Politikern eine Klatsche verabreicht. Wenn es denn nur so wäre! Verdient hätten sie es fast alle.

Eine richtige „Klatsche“ sieht anders aus. Hätten die ganzen Affären der CDU eine erhebliche Rolle gespielt, wäre diese Partei in Frankfurt (und erst recht hessenweit) nicht auf über 20 Prozent der Stimmen gekommen. Einzig die SPD – das belegt der Vergleich mit den durchaus passablen Ergebnissen auf Landesebene – mag lokal die typisch sozialdemokratische Vorteilsverschaffung zugunsten der Gattin des Oberbürgermeisters Stimmen gekostet haben, aber dies vor allem durch Wahlenthaltungen, sprich: Da werden eben frühere SPD-Wähler vermehrt zu Hause geblieben sein; nur in geringem Umfang mögen sie kleinere Gruppierungen gewählt haben. Die aussagekräftigste Zahl ist aber diejenige, aus der sich die Wahlbeteiligung ersehen lässt – auf skandalös niedrigem Niveau, und dies gerade auf jener politischen Ebene, die den Bürgern noch die nächste ist. Das sagt alles: In diesem Land wenden sich mehr und mehr Menschen ab von den politischen Institutionen, in die sie doch jahrzehntelang Hoffnung und Vertrauen steckten. Es wurde ihnen letztlich nicht gedankt.

10.3.2021

10.3.2021

Die vorübergehende Aufnahme eines Gasthundes bringt zwangsläufig eine Vervielfachung der Zahl der Aufenthalte an der frischen Luft mit sich. Die täglichen Ausflüge führen in alle Winkel der Römerstadt-Siedlung, es bleibt unendlich viel Zeit zum Schauen und Verweilen, und siehe da, es hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan: Die ABG Frankfurt Holding, die ja doch noch weitgehend für die alten Häuser der May-Siedlung verantwortlich ist, hat viel Geld in die authentisch wirkende Renovierung der denkmalgeschützten Gebäude gesteckt; das Ergebnis kann sich sehen lassen. Man ist glücklicherweise auch weggekommen von den furchtbaren weißen Plastikfenstern und baut jetzt – fast wie seinerzeit 1928 – schmalere Holzfenster ein, die dunkelblau bemalt werden und so wirken wie die früher verwendeten Metallfenster. Die waren zwar noch graziler, aber was will man da meckern, wenn doch nach neuestem Standard wärmegedämmt werden soll, ohne dass die Ästhetik dabei zu kurz kommt!

Leider wurde die Rechnung, wie so oft in Frankfurt, ohne die Mainova gemacht. Das ist auch ein städtisches Unternehmen, aber leider eines der übleren Art. Mainova und die von ihr beauftragten ausführenden Bauunternehmungen zeichnen sich bekanntermaßen durch eine abenteuerliche Ineffizienz und Langsamkeit aus; doch schwerer wiegt noch der Verwüstungscharakter, der von ihren Baustellen ausgeht, und das wegen besagter Langsamkeit für eine gefühlte Ewigkeit. Kaum waren im vergangenen Jahr die Baugerüste in der „Ringmauer“ verschwunden, kamen die Kleinbagger mitsamt Fahrpersonal. Im unteren Teil der Straße wurden Gräben ausgehoben, wo zuvor noch die engen Gehsteige und ein Teil der Fahrbahn verliefen, und dann machte man es sich gemütlich. Ab und zu konnten drei bis vier Männer gesichtet werden, von denen vermutet werden kann, dass zumindest einer von ihnen mal zeitweise eines der zahlreichen herumstehenden Geräte bewegte. Um die Ecke, am Ende der Hadrianstraße, ist ein Baulager eingerichtet; es wird heute noch jeden Abend – und der Abend beginnt auf dieser Baustelle spätestens um 15:30 Uhr – schön wieder eingeräumt und abgeschlossen, wie als wolle man diese Stelle noch jahrelang in Beschlag nehmen. Aus den Utensilien und dem Namen des Bauunternehmens lässt sich zwanglos schließen, dass hier Rohre und Leitungen verlegt werden sollen. Na dann, ans Werk! Die Arbeiten am unteren Teil, eine Strecke von etwa 250 m Länge, wurden dann doch nach knapp eineinhalb Jahren abgeschlossen. Nun ist die Straße dort ein einziger Flickenteppich, denn, Gott bewahre! wer wird denn gleich eine Straße von Grund auf wiederherstellen, wenn doch noch auf Jahre hinaus der Rest der Straße in gleicher Weise verwüstet werden wird… Wenigstens wurde damit nun auf dem anschließenden mittel-unteren Teil begonnen. Wenn das so weitergeht, werde ich die ordnungsgemäße Wiederherstellung der Fahrbahn nicht mehr erleben. Vermutlich werden, wenn es soweit sein wird, die Dächer der Häuser erneut abgedichtet werden müssen…

6.3.2021

6.3.2021

Es gibt auch noch den traditionellen Wahlkampf. Da stehen dann samstags auf belebten Plätzen, vorzugsweise vor den Supermärkten, die wackeren Mitglieder und Unterstützer der Parteien und werben um die Stimmen der shoppenden Wähler. So nun auch am Riedberg, wo zum samstäglichen Markt heute auch mehrere Parteien ihre Tische aufgeschlagen haben und Passanten dazu bewegen wollen, ihre Botschaft mitzunehmen.

Nein, nicht allein das; es wird auch geplauscht. Jedenfalls war der sympathische Volt-Unterstützer zu jeder Auskunft bereit und vollte, pardon, wollte gar nicht aufhören, seine Gruppierung bekannt zu machen und ebenso sympathisch erscheinen zu lassen. Ja, da wiederholte sich das, was schon nach Lektüre der Auswertung im Kommunalwahl-Barometer, vulgo Wahl-O-Mat, klar wurde: Diese Gruppierung schreit keine platten Parolen und kommt insgesamt nicht schlagwortartig daher, und auch Plattitüden sind kaum auszumachen. Ein sehr nettes Gespräch, sofort entsteht Resonanz , die bestätigt, dass es nicht so ganz falsch war, mithilfe von ein paar Kreuzen (man hat ja 93) dafür zu sorgen, dass auch Volt eine Chance hat, in der Stadtverordnetenversammlung vertreten zu sein… die althergebrachten Parteien zeigen jedenfalls derzeit allesamt kaum ein Profil, welches es als lohnenswert erscheinen lässt, ihnen die Stimme zu geben!

3.3.2021

3.3.2021

Manchmal weiß man gar nicht, worüber man sich zuerst aufregen soll. Es gibt Tage, da platzen die Medien nur so von Botschaften, die letztlich Aufreger sind; freilich nur für jemanden, der sich aufregen lässt und nicht etwa nur den ganzen Kram als übliches Tagesgeschäft ansieht und dann einfach zur Tagesordnung übergehen kann.

Ich gehöre nicht zu diesen Zeitgenossen. Mir macht es noch etwas aus, lesen zu müssen, dass der Hessische Verwaltungsgerichtshof mittlerweile nicht mehr davor zurückschreckt, dem Landesamt für Verfassungsschutz die schlichte Mitteilung in seinem jährlichen Bericht zu verbieten, die AfD werde nunmehr als „Prüffall“ eingeschätzt (die damit einhergehende Rechtsverletzung muss erst noch erfunden werden). Mir macht es auch etwas aus, jeden Tag von den Medien gespiegelt zu bekommen, wie die verantwortlichen politischen Führungskräfte in Berlin diese Silberfrisur vom Robert-Koch-Institut als Galionsfigur neben sich stellen, um sämtliche Verantwortung von sich selbst wegzuschieben (und in der Tat: In Deutschland wird keine Politik mehr gemacht; hier verschanzt man sich hinter Fachmeinungen, die zwar wissenschaftlich fundiert sein mögen, aber politisch nicht im Ansatz legitimiert sind). Mir macht es etwas aus, wie der Gesundheitsminister jeden Tag erneut seine Fehlerkonsequenz unter Beweis stellt, und mir macht es etwas aus, immer wieder nur auf eine Verlängerung der Schließungsmaßnahmen vorbereitet zu werden, anstatt dass endlich die Voraussetzungen geschaffen werden, davon nach und nach wieder abrücken zu können. Wir wissen seit einem Jahr, dass wir mit einem gefährlichen Virus werden leben müssen, aber jetzt erst beginnen die Vorbereitungen für Massen-Selbsttests? Da sind andere Länder wesentlich weiter. Würde all dies einem zufällig vorbeikommenden Außerirdischen berichtet werden – es wäre ein Grund, schnellstmöglich anderswo nach intelligentem Leben zu suchen. Und man stelle sich vor: In den USA sieht es so aus, als könnte die Impfquote schon in Kürze auf einem Level sein, von dem hierzulande vermutlich nicht mehr in diesem Jahr die Rede wird sein können! 10 Monate Blockade durch den Ex-Präsidenten werden so in kürzester Zeit kompensiert. Welche Leistung! Kann man nur bedauern, dass es in Deutschland an so einer Blockade fehlte? Vielleicht wären wir dann auch schneller. Aber – so einfach ist es nicht. Klar ist nur: Der Fisch stinkt vom Kopf.

27.2.2021

27.2.2021

Haben die Wahlvorschläge zur Wahl der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung einen Umfang erreicht, der den Wähler schwindlig werden lässt, so gibt es auf der anderen Seite findige Köpfe, die eine Schneise durchs Dickicht der politischen Programmatik schlagen und dem Wähler bei seiner Entscheidung so gut es geht behilflich sein wollen. Nicht erst seit dieser Wahl gibt es den sogenannten Wahl-O-Mat; aber gerade in der Kommunalwahl mit den überaus zahlreichen Wahlvorschlägen scheint diese Einrichtung sinnvoll zu sein, um in Erfahrung zu bringen, welchem dieser Vorschläge nun jeder selbst inhaltlich am nächsten steht.

Dies ist zumindest der Anspruch, und so beantwortet man gern und in der Hoffnung auf Erleuchtung die gut 40 Fragen, die an den Aussagen der Parteilisten orientiert sind und deren Beantwortung die Wahlentscheidung programmatisch legitimieren soll. Am Ende der Befragung darf man noch die Vergleichsgruppe wählen, also die Listen, an denen die Auswertung vorrangig orientiert sein soll; die übrigen kommen aber in der abschließenden Aufstellung auch zum Zug. Und siehe da: Der Wahl-O-Mat bestätigt in der Auswertung meiner Antworten meine Präferenzen, die ich auch ohne ihn gehabt hätte. Liege ich darum mit meiner Wahlentscheidung richtig, oder auch nur passender? Weit gefehlt. Ein Blick auf die Liste aller Wahlvorschläge und die Passgenauigkeit im Hinblick auf meine Antworten zeigt: Für alle (wirklich alle!) Listen kommt eine Kongruenz in einem Bereich von 63 bis 78 Prozent heraus, will heißen: Meine Antworten finden in deren Programmatik jeweils in diesem Ausmaß eine inhaltliche Entsprechung. Das betrifft sowohl die von mir ohnehin favorisierten Parteien als auch diejenigen, die ich nie wählen würde. Was folgt daraus? Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor! Nicht ganz – immerhin weiß ich jetzt, dass keine der Parteien es mir zu mehr als 78 % recht machen kann; bei der Themenvielfalt kein Wunder. Aber auch das wusste ich schon. Also – doch das Bauchgefühl entscheiden lassen…

26.2.2021

26.2.2021

Dieses Jahr ist wieder ein Wahljahr. Als erstes dürfen wir in gut zwei Wochen die Demokratie auf der kommunalen Ebene praktizieren: Stadtverordnete und Ortsbeiratsmitglieder werden gewählt; doch was vordem – und jahrzehntelang – eine ganz einfache Sache war, entpuppt sich so langsam als ein Labyrinth des Grauens, welches insbesondere das Fassungs- und Handlungsvermögen älterer Mitbürger vor große Herausforderungen stellen dürfte. Das ist keineswegs diskriminierend gemeint, sondern erfahrungsgeprägt – wie oft musste ich in den Zeiten, als ich selbst noch regelmäßig als Mitglied von örtlichen Wahlvorständen fungierte, dafür sorgen, dass die Wahlkabinen nur allein – und nicht ehepaarweise – aufgesucht wurden, und das eben vorwiegend bei Personen jenseits der 70…

Die heute ins Haus geflatterten Stimmzettel (in Corona-Zeiten wird natürlich vorzugsweise per Brief gewählt) sind nicht nur rein physisch wahre Ungetüme. Name an Name und Liste an Liste reihen sich da, der Zettel erreicht aufgefaltet Tischplattengröße, aber das Schlimmste: Man hat 93 Stimmen, die man auf einzelne Kandidaten verteilen kann (bloß nicht verzählen!), aber auch auf eine der mehr als 20 Listen. Das ist zwar einerseits ganz nett, weil man auch Personen wählen kann, die man mag, die aber auf der Liste einer Partei stehen, die man nicht mag. Andererseits stellt sich die Frage, ob damit nicht doch des Guten zuviel versucht wird. Das Kumulieren und Panaschieren mag ein Vergnügen sein, wenn die Kandidaten persönlich bekannt sind, wie etwa auf dem Land oder in Kleinstädten, wo man – außer derzeit – am Stammtisch in der örtlichen Kneipe mit den Mandatsträgern auf ein Bier sitzen und die kommunalen Probleme hin- und herwälzen kann. Haben Sie das in Städten wie der Heimat des Kaleidoskops schon mal praktiziert? Mir jedenfalls saß weder Herr Feldmann noch sonst eine gewichtige Person des öffentlichen Lebens irgendwo irgendwann zum Plausch gegenüber, und wer kennt die zu Wählenden denn überhaupt von Angesicht zu Angesicht? Und wenn Hunderttausende Wahlberechtigte von Herzen jeweils 93 separate Kreuze machen, dann Gnade den Stimmenauszählerinnen und -auszählern! Dass so etwas dann tatsächlich irgendwelche nennenswerten Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung oder die von den Parteien beschlossene Reihenfolge auf den Listen sollte haben können, müsste noch nachgewiesen werden. Mehr Demokratie wird damit jedenfalls nicht gewagt.

21.2.2021

21.2.2021

Auch wenn uns die Pandemie nun ziemlich genau ein Jahr beschäftigt und umfassende Besserung kaum in Sicht ist – und auch wenn im Kaleidoskop in diesem Jahr vor allem das Positive betont werden soll: Auch Corona kann in diesem Sinn noch etwas abgewonnen werden; zugegeben: nur wenig. Aber immerhin: Wenigstens sorgt der „Lockdown“ für eine späte, sozusagen nachgezogene Wiederherstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland, machen doch nun auch wir Westdeutschen die Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn man ständig anstehen muss, um etwas zu bekommen. So endete der gestrige Ausflug in den Vorspessart mit einem Besuch der wunderschönen Altstadt von Seligenstadt und einem gleich viermaligen Erlebnis in Wartepositionen. Das begann bei der Überfahrt von Bayern aus per Fähre, da erst die Mittagspause des gestressten Fährmanns abgewartet werden musste, setzte sich fort bei der Konditorei, wo der erste Happen den leeren Magen füllen sollte, und dann, schon deutlich länger, bei der Döner-Bude mit einer Google-Bewertung von 4,7 und fand seinen Höhepunkt vor der Eisdiele mit Waren aus hundertprozentig biologischen Zutaten; hier musste die Vorfreude mehr als 20 Minuten genossen werden und die Schlange ging um die Straßenecke. Kein Wunder bei dem Frühlingswetter…

Der Wochenendausflügler mag zwar die mit der Warterei verbundene Entschleunigung auf das Lebhafteste begrüßen, zumal wenn der Aufenthalt in der Schlange mit einem Sonnenbad verbunden ist. Keine Hektik, wann hat man das schon mal… Aber die Warterei lässt das Hirn ins Arbeiten kommen, wie das halt bei funktonierenden Hirnen so üblich ist. Und dann gerät die Muße in Gefahr: Schon an der Sinnhaftigkeit der Verwendung des schrecklichen Begriffs „Lockdown“ kommen angesichts des bunten Treibens am Samstagmittag gehörige Zweifel auf: Die Frankfurter Zeil ist normalerweise nicht weniger belebt. Als vollends der Nachvollziehbarkeit entzogen erweisen sich aber die ganzen Maßnahmen der letzten Zeit. Warum soll es nicht erlaubt sein, in einer Gaststätte zu speisen, in der die Hygieneregeln beachtet werden, wenn massenhaft Menschen in Schlangen an Eisdielen anstehen, weil die ebenfalls die Regeln einhalten und nur maximal 2 Personen gleichzeitig bedienen? Warum dürfen Profifußballer sich jubelnd in den Armen liegen und Trainer miteinander mehr als engen Körperkontakt pflegen, Zuschauer aber nicht im gehörigen Abstand auf den Tribünen anwesend sein, natürlich nicht ohne Maske? Von dem Verbot der Ausübung von Sport in der Gruppe ganz zu schweigen – der ganze Breitensport geht vor die Hunde, während der Profifußball gehätschelt wird und wir in der Schlange vor der Eisdiele über die ganze Ungereimtheit der von unseren Politikern und Virologen erdachten Maßnahmen nachdenken können. Zum Glück hat endlich die Warterei ein Ende und kann der Magen – im benachbarten Klosterhof, begleitet von Klängen eines dort sitzenden Trompeters – mit zwei Riesenkugeln Eis und der obligaten Sahnehaube gefüllt werden. Das bringt das Hirn dann doch zur Mäßigung…

13.2.2021

13.2.2021

Alternative Energiequellen zum Heizen haben ihre Tücken. So mag zwar der Einbau einer Pellets-Heizung das beruhigende Gefühl verschaffen, sich von der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Gas oder Öl verabschiedet zu haben, wie es bei mir seit 2005 der Fall ist. Aber die damit verbundenen zusätzlichen Herausforderungen sollten nicht geringgeschätzt werden. Wenn etwa nicht höllisch aufgepasst wird, dass der Brennstoffvorrat so langsam zur Neige geht, kann es ein böses und vor allem kaltes Erwachen geben – weil die Heizung nächtens ihren Betrieb eingestellt hat: Es gab nichts mehr, was verfeuert werden konnte.

Kommen dann noch grandiose Wetter-Kapriolen hinzu, nimmt das Desaster katastrophale Züge an. Die versprochene, dringlichst erwartete Pellets-Lieferung fiel kurzfristig aus, da der Fahrer des Transports im eisglatten Vogelsberg sich der Länge nach hinlegte und ins Krankenhaus musste. Das moralisch gebotene Mitgefühl mit dem Betroffenen wurde leider durch den Umstand begrenzt, dass schnellstmöglich nach Ersatz Ausschau gehalten werden musste; und das im sogenannten Lockdown – wo sollen auf die Schnelle die Pellets herkommen, wenn die Ersatzlieferung erst in einer Woche zu erwarten sein wird? Das Lager ist bis auf den Boden leer, die Pellets-Schnecke sucht verzweifelt nach Füllstoff und erfrieren möchte der an die Umwelt denkende Hausbesitzer deshalb nun auch nicht gern. Zum Glück haben die Baumärkte die Zeiten der Pandemie zu nutzen gewusst und bieten die Möglichkeit der Online-Reservierung; nur abholen muss man das Zeug noch physisch. Und das mehrmals, da die Limousine kein 7,5-Tonner ist. Bei Schnee und Eis… Und selbst die Nachricht, dass in dem einen Baumarkt der Vorrat bis auf 2 (nutzlose) Säcke aufgebraucht ist, vermag mich nicht mehr zu erschrecken – zum Glück ist Heddernheim in jeder Himmelsrichtung von Baumärkten umgeben, die nicht nur alle Pellets im Angebot haben, sondern auch der Pandemie trotzen. Dass zuguter- oder -schlechterletzt dann noch die Autobatterie ihren Dienst versagte, was einen Defekt der Servolenkung und die Unmöglichkeit der bestimmungsgemäßen Nutzung des eigenen PKW zur Folge hatte, konnte auch nur für kurze Zeit für Schrecken sorgen. Wozu gibt es denn Ersatzfahrzeuge? Hat mittlerweile jede gut kalkulierende Autowerkstatt im Portfolio. Dennoch: Ich mache – auch als Atheist – drei Kreuze, wenn der Winter vorbei ist!