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12.2.2021

12.2.2021

Der „Lockdown“ – ich habe diesen Zustand langsam satt – verändert augenscheinlich auch das Warenangebot. Liebhaber französischer Backwaren werden nicht nur „Baguette Jeanette“ in Bornheim kennen, wo (immer noch) original französisches (importiertes) Baguette erstanden werden kann (der Betreiber stammt aus Frankreich), sondern wohl auch „La Maison du Pain“, ehedem mit mehreren Filialen in Frankfurt anzutreffen, jetzt unter diesem Namen nur noch in Sachsenhausen nahe dem Schweizer Platz. Ins Leben gerufen hatte diese Kopie französischer Boulangerien die frühere Bäckerei Meyer, auch in Frankfurt beheimatet gewesen, aber wegen zum Himmel stinkender (un)hygienischer Umstände in der Backstube in Rödelheim dann vor Jahren geschlossen worden. Nach der Insolvenz wurden die Maison-Filialen verpachtet, geschlossen oder unter anderem Namen weitergeführt.

Die Filiale in Sachsenhausen verkörperte noch als letzte nicht nur das französische Flair, sondern garantierte auch einen ebensolchen Geschmack der Backwaren, bei zugegeben sehr gehobenen Preisen. Diese waren die angebotenen Produkte freilich immer noch wert. Heute gilt das insbesondere für das Baguette nicht einmal mehr im Ansatz. Es sieht leider schon so aus, als hätte es die Wiener Feinbäckerei geliefert, bei der auch nur der Name noch einigermaßen vielversprechend klingt, und schmeckt dann auch noch so. Eben wie typisch deutsche Versuche schmecken, Weißbrot (typisch deutsches Weißbrot) dadurch französisch erscheinen zu lassen, dass es in die Baguette-Form gepresst wird. Mehr als das hat dieses Backwerk, das nach nichts schmeckt, dann auch nicht zu bieten. Schein ist nicht Sein, und erklären kann ich mir dieses (immer noch teure) geschmackliche Fiasko nur mit der Vermutung, dass wohl Liefermöglichkeiten schlicht weggebrochen sind. Und insoweit unterstelle ich, getreu dem diesjährigen Motto, nur Positives. Schlimmer wär’s, wenn dies alles auf einer Absicht des Betreibers beruhte…

11.2.2021

11.2.2021

Die Menschen sind nicht mehr da. Ich meine damit: Sie leben nicht im gegenwärtigen Moment. Sie sind abwesend, beschäftigt, zerstreut. Meist den Blick starr am Bildschirm des Mobiltelefons, selbst wenn sie unterwegs sind, die Straße überqueren oder – am Steuer einer Straßenbahn sitzen.

Heute früh konnte ich das an der Endhaltestelle der Linie 16 in Ginnheim sozusagen hautnah erleben. Der Fahrer hatte noch kurze Zeit seine Pause; der Fahrtanzeiger am Bahnsteig kündete aber die Abfahrt der Bahn in einer Minute an. Wer diese Haltestelle und ihre Tücken kennt (die Bahn darf nur über eine Ampelregelung in die Straße einfahren, und bis die – auf Handsteuerung per Schlüssel, wie vorsintflutlich – reagiert, dauert es gefühlte Ewigkeiten), weiß, dass es nun an der Zeit wäre, auszusteigen und den Ampelregler zu betätigen, sonst verzögert sich die Abfahrt unendlich. Doch im Fahrerstand tut sich nichts. Ich sehe nur die Beine des Fahrers, lässig übereinander geschlagen, ansonsten gibt es nicht die geringste Bewegung. Die Uhr läuft weiter, Minuten verrinnen, ohne dass sich in der Kabine etwas tut. Schon mehrere Minuten nach der planmäßigen Afahrt kommt auf dem Nachbargleis die dritte U-Bahn an, da geht ein Ruck durch den Fahrer, er legt – klar – das Handy nieder und geht langsam zum Ampelregler und dreht dort den Schlüssel um. Passagiere eilen zur Straßenbahn, wollen mit ihr weiterfahren. Sie haben Glück, dass die Ampel immer noch nicht reagiert hat, sonst stünden sie – wie sonst oft – vor verschlossenen Türen an der abfahrbereiten Straßenbahn. Heute ausnahmsweise nicht; sie kommen noch mit. Aber soll deswegen dem Spielen am Mobiltelefon ein Loblied gesungen werden?

10.2.2021

10.2.2021

Mal wieder gibt es Nachrichten zu der Planung der Verlängerung der U-Bahn-Linie U 4. Die Kosten-Nutzen-Bewertungsanalyse, die der Entscheidung über die Wahl einer der vielen Varianten vorgelagert ist, hatte immerhin das erfreuliche Ergebnis, dass alle Varianten sich „rentieren“ (nach den Maßstäben der Analyse) und darum auch von Bund und Land finanziell gefördert werden können. Die FAZ jubelt, aber ich glaube, dafür ist es noch zu früh.

Denn wenn alle Varianten aus Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten jedenfalls so geeignet sind, dass sie finanziert werden können und auf die Stadt nur die restliche Kostenlast von 10 % zukommt, ist zu befürchten, dass jetzt erst richtig das Hauen und Stechen um die „richtige“ Linienführung losgehen wird. Die Grünen haben sich ja schon länger dahin positioniert, dass die Grundwasserströme unter dem Grüneburgpark, deren Verlauf freilich keiner kennt (ja, es kommt darauf an, einfach mal schutzwürdige Belange zu behaupten; dann wird sich schon irgendwas finden lassen, auch wenn die U-Bahn in einem fast 20 m tiefen Tunnel dahinfahren wird), der vom Verkehrsdezernenten favorisierten Linienführung unter dem Park entgegenstehen könnten. Die Mehrheitsverhältnisse in der Stadtverordnetenversammlung wie auch die anstehende Wahl lassen befürchten, dass da noch lange gezackert werden wird, wenn nicht wie weiland nach Begründung der ersten schwarz-grünen Koalition im Römer die falscheste Lösung gleich beschlossen wird, ohne Vernunft walten zu lassen. Na ja, mich kümmert’s minder, ich brauche keine U-Bahn-Station direkt auf dem Uni-Campus, meine Studienzeit war noch durch Straßenbahnen an der Bockenheimer Warte geprägt. Aber die heutigen und künftigen Studenten müssen es ausbaden. Und nicht nur sie.

5.2.2021

5.2.2021

Verglichen mit den Zuständen während des ersten „Lockdowns“ im vergangenen Jahr und der Zeit kurz danach hat sich Routine eingestellt. Masken werden getragen, Abstände meistens eingehalten und beim Niesen wird in die Ellenbeuge geschneuzt. Am auffälligsten zeigte sich die Routine in der Schlange der vor dem „Aroma“ am Adlerflychtplatz wartenden Menschen. Die ist zwar fast 20 Meter lang und reicht fast bis zum Nachbarkiosk, aber nur, weil sich vor Frankfurts bester Falafel-Bude die Menschen an die markierten Abstandslinien halten. Nun, bei Sonnenschein (in der Tat – ich berichte von gestern) kann man es da auch für die nicht gerade kurze Wartezeit ganz gut aushalten. Es dauerte mehr als 20 Minuten, bis die Bestellung aufgegeben werden konnte.

Im letzten Sommer war das noch anders – da ballten sich die Wartenden trotz Geltung der AHA-Regeln in einem Klumpen vor der Theke, was nach Berichten Wartender die Nachbarn am Vortag herausgefordert und zu einem Anruf bei der Polizei animiert hatte, die daraufhin erstmal Abstände hergestellt haben soll. Ist ja schön, wenn das nun alles von allein passiert, und aus Gesundheitsgründen ist Abstandhalten nur zu begrüßen. Aber unschön war die Spitzelei und Verpetzerei allemal. Da wurden sicherlich auch andere Motive als nur die Sicherung der Gesundheitsstandards verfolgt. Nachbarn regen sich ja gern über alles Mögliche auf. Wenn Lärm im Spiel ist, kann man dafür Verständnis aufbringen; aber eine ruhige Warteschlange hungriger Menschen? Möge uns ein Vordringen des Spitzel- und Denunziantentums erspart bleiben!

4.2.2021

4.2.2021

Wenn nach gefühlt einem Jahr mal wieder die Sonne vom blauen Himmel lacht und der Wind nur ein laues Lüftchen statt feuchter Tropfen ins Gesicht weht, ist das ein willkommener Anlass, die Natur in und um Frankfurt herum aufzusuchen. Und es gibt ja Außerordentliches zu bestaunen: Die sonst so träge dahindümpelnde Nidda ist zu einem fast reißenden Strom angeschwollen, und wo man – jedenfalls im nördlichen Teil zwischen Harheim und dem Eschersheimer Wehr – im Sommer schon manche Kraft aufbringen muss, um ein Kanu in Bewegung zu setzen, müsste man heute mit aller Kraft dagegenhalten, um nicht von den Strudeln in die Tiefe gezogen zu werden.

Ja, da hat sich auch am Ufer manches verändert. Dort, wo vor drei Jahrzehnten die durchgehend schräge Böschung im Ingenieurwinkel von 45 Grad den totalen Kanal-Eindruck verfestigte und den Fluss in ein Korsett zwang, das ihn jeder Fluss-Eigenschaft letztlich beraubte, haben die Fluten nun Raum, auf ihrem Weg zum Main großflächig innezuhalten und die Nidda – zumindest an dieser Stelle – als ursprünglich erscheinen zu lassen. Im Berkersheimer Bogen und von dort bis zum Bonameser Altarm – alle tiefer gelegten Flächen sind überschwemmt; die Bäume ragen aus dem Wasser, in dem ihre Stämme fast meterhoch stehen. Inmitten des (ja!) Stroms fließen die Wasser brausend schnell, zum Ufer hin jedoch immer gemächlicher, am Rand kommen sie fast zum Stillstand. Wäre da nicht das regelmäßige Surren der S-Bahn auf den höher liegenden Bahngleisen, man könnte glauben, irgendwo in der Wildnis zu sein. Renaturierung hat ihren Sinn!

1.2.2021

1.2.2021

Längeres Warten vor der Tanksäule; ein Auto steht dort. Einige Zeit passiert gar nichts – vermutlich ist der Fahrer beim Zahlen im Geschäftsraum. Doch dann entsteigt dem Miniwagen ein Mann mittleren Alters, Handy in der Hand, steckt das Gerät langsam in seine Jackentasche und begibt sich seelenruhig zur Zapfsäule, um den Tankvorgang zu starten. Zum Glück ist die Säule nebenan gerade freigeworden. Mein Hinweis an den Fahrer, dass die Plätze vor der Tanksäule nicht zum Parken und Telefonieren gedacht sind, wird mit üblen Beschimpfungen beantwortet.

Beim Biomarkt 500 m weiter versucht eine Dame mittleren Alters, ihren SUV in die kleine Lücke am Straßenrand vor dem Laden zu quetschen. Ok, da ist ein Parkplatz markiert. Aber der Wagen ist offenkundig eine Nummer zu groß dimensioniert; Madame kommt einfach nicht in die Lücke rein, und als sie es nach zähem, langem Bemühen dann doch geschafft hat, schütteln zahlreiche Fahrer, die gezwungen waren, den Vorgang mitzuverfolgen, weil kein Platz zum Vorbeifahren war, ungläubig ihre Köpfe. Muss ich erwähnen, dass es hinter dem Haus einen großen Parkplatz für die Biomarkt-Kunden gibt? Aber jeder Schritt ist einer zuviel, da parkt man doch lieber direkt vor dem Eingang. – Beiden Vorgängen liegt eine Grundhaltung zugrunde: Was interessieren mich meine Umgebung, meine Mitmenschen? Gedacht wird nur noch an sich selbst.

22.1.2021

22.1.2021

Da haben wir sie wieder, die gestern erwähnte Selbstüberschätzung. Und wenn es schon mit der Kontrolle oder der Sicherheit hapert, dann greift der Mensch doch gern zu einem altbewährten Mittel, den Kopf in den Sand zu stecken: dem Wunschdenken und der Schönfärberei. Auch wenn dem das Motiv zugrunde liegen mag, den übrigen Menschen Hoffnung zu geben – die Hilflosigkeit kann dadurch nicht kaschiert werden.

Niemand anders als der Leiter des Bundeskanzleramts verstieg sich heute zu der Behauptung, wenn wir nur alle schön aufpassten und die Regeln – gemeint sind die Einschränkungen – befolgten, dann werde im Sommer alles wieder normal sein. Wie kommt der gute Mann denn darauf? Es ist doch noch nicht einmal erwiesen, dass die „Regeln“ überhaupt einen Nutzen haben (in Großbritannien etwa hat der totale Lockdown so gut wie keine messbaren positiven Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen). Aber dass wir uns darauf freuen könnten, im Sommer wieder ein normales Alltagsleben (wie früher?) zu führen, das ist bestenfalls eine gewagte Phantasie. Und das ist eher noch eine beschönigende Wendung. Der Mann macht das Falscheste, was man derzeit machen kann. Kleinkinder glauben heutzutage ja auch nicht mehr ans Christkind. Wie fühlt man sich als erwachsener Bürger der Bundesrepublik Deutschland, wenn einer der einflussreichsten Politiker solche naiven Thesen verbreitet?

21.1.2021

21.1.2021

Abgesehen von den als positiv zu bewertenden Auswirkungen der Pandemie gibt es natürlich auch nicht so gute. Und damit meine ich nicht die unmittelbaren Folgen einer Erkrankung, die schrecklich genug sind. Vielmehr offenbart die Pandemie in erschreckender Weise die Hilflosigkeit des Menschen im Umgang mit sich selbst und der Natur, deren Teil er nur ist. Die Selbstüberschätzung gelangt an eine Grenze; das Kontrollbedürfnis bleibt zwangsläufig unbefriedigt, weil es Kontrolle über das Virus nicht geben kann. Kann der Mensch Unsicherheit nicht ertragen?

Auch jenseits derart philosophisch-anthropologischer Fragestellungen gibt es Anlass zum Nachdenken. Warum beten eigentlich die so „freien“ Medien, gleich ob privat oder öffentlich-rechtlich verfasst, so kritiklos immer wieder von Neuem immer wieder die gleichen Zahlen-Litaneien vor, die das Wesentliche nicht umfassen, aber auf Panikmache ausgerichtet sind? Gibt es nicht auch denkende Medienberichterstatter, die durchaus auch mal öffentlich fragen dürften, ob es den politischen Verantwortungsträgern nicht gut anstünde, ihre unvermeidbare Hilflosigkeit einzugestehen, anstatt immer mehr immer inkonsistentere Einschränkungen zu verordnen und damit Handlungsfähigkeit vorzugaukeln, obwohl mittlerweile abgesehen werden kann, dass auch noch so scharfe Einschränkungen ihr Ziel verfehlen werden? Die Welle ist da, und Corona wird nicht verschwinden. Die Aufgabe besteht darin, die Realität anzuerkennen und Wege zu finden, mit dem Virus – auf lange Zeit – zu leben, nicht aber das Leben zu ersticken.

16.1.2021

16.1.2021

Auch wenn das Wort „Lockdown“ die Sache eigentlich nicht so recht trifft – beim samstäglichen Gang ins Nordwestzentrum zeigt sich, dass es doch seine Berechtigung hat, dort am ehesten. Wenn so viele Geschäfte geschlossen sind… Die sehr angenehme Auswirkung ist die himmlische Ruhe, die selbst dieser Ort an diesem Vormittag ausstrahlt. Nur wenige Menschen, die durch die fast leeren Gänge schlendern. Was sollen sie dort auch, haben doch nur die Lebensmittelläden und Drogerien und Kioske geöffnet. Von der sonst zu dieser Zeit – am späten Vormittag – üblichen Hektik und dem kakophonen Geschrei nicht das Geringste wahrzunehmen!

Ja, die Corona-Pandemie, so sehr sie zu einer gravierenden Einschränkung des gewohnten Lebens führt, zeitigt eben auch Folgen, die ich als positiv empfinde. Wenn sie dazu führte, dass sich die Menschen dessen auch bewusst würden und merken, dass auch ein anderes Leben, eine bewusste Lebensweise vorzugswürdig sind, wäre das nicht das schlechteste Ergebnis. Eine Besinnung auf das Wesentliche, auf das, was wichtig ist – und den Menschen und dem Leben gut tut.

13.1.2021

13.1.2021

Zum Verkehr gehört auch der Radverkehr – und Frankfurt ist um einiges weiter vorangekommen bei dem Bemühen, „Fahrradstadt“ zu werden. Na ja, Kopenhagen ist weit entfernt und wird, was die Infrastruktur für das zweirädrige Verkehrsmittel angeht, von Frankfurt nie eingeholt werden. Da liegen Welten dazwischen, wie man so sagt. Aber man darf sich hierorts durchaus darüber freuen, dass mittlerweile mit Leuchtfarbe auf vielen Straßen verdeutlicht wird, wo Autofahrer nun gar nichts zu suchen haben. Das hilft jedenfalls mehr als bloße Markierungen.

Dass sich nämlich an den bislang üblichen weißen Strichen auf den Fahrbahnen keiner stört, konnte ich heute morgen wieder beobachten. Erst meinte ein Autofahrer an einer Straßeneinmündung, die nicht zu übersehenden schrägen Querstriche auf der Straße als Parkplatzmarkierung missdeuten zu dürfen. Rollstuhlfahrer oder Kinderwagenschieber kommen in der hermetischen Gedankenwelt dieser Zeitgenossen nicht vor, schon gar nicht aber die Einsicht, dass manche Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung durchaus einen Sinn haben und dass man sich deswegen daran zu halten hat. 100 m weiter setzte dann der mir vorausfahrende Fahrer zum Parkmanöver mitten auf der den Radfahrern vorbehaltenen Spur an; beileibe kein Einzelfall, sondern an dieser Stelle ein Dauerzustand. Genau hier soll es aber den Radlern ermöglicht werden, wieder auf den vom Autoverkehr abgetrennten Radweg zu gelangen, um nicht an der kurz darauf folgenden Einmündung in die Ringstraße um das Nordwestzentrum vollends unter die Räder zu kommen. Was lernen wir daraus? Verkehrswende kann ohne die Verkehrtreibenden nicht stattfinden, und die müssen erst einmal ihr Hirn einschalten und begreifen, dass sie nicht allein auf der Straße sind!